Allgemein

11 Fakten rund ums Cello

Frauen durften es nicht spielen, es wurde als „Kummerkasten“ verspottet und bekam in Partituren nicht einmal eine eigene Stimme – das Cello gehörte lange zu den am meisten unterschätzten Orchesterinstrumenten. Jetzt wurde es von den Landesmusikräten zum Instrument des Jahres 2018 gekürt! Wir liefern euch 11 Fakten über das Cello, die ihr bestimmt noch nicht wusstet.

1. Was heißt Cello eigentlich übersetzt?

Cello ist eigentlich nur eine Abkürzung für Violoncello. Das bedeutet aus dem Italienischen übersetzt etwa „Kleine Großviola“. Der paradoxe Name weist schon auf die sehr unterschiedlichen Größen hin, die das Instrument im Laufe seiner Geschichte hatte. Die heute verwendeten Maße wurden erstmals im 17. Jahrhundert vom berühmten Geigenbauer Antonio Stradivari angewandt.

2. Frauen war das Cellospielen verboten!

Unglaublich, aber wahr. Die Haltung des Instruments zwischen den Beinen wurde lange als zu anrüchig und lasziv empfunden. Noch bis in die 50er Jahre spielten die wenigen Cellistinnen ihr Instrument seitlich, in „anständiger Damenposition“. Heute sind Frauen am Cello zum Glück ganz normal und sogar weltberühmt wie Sol Gabetta, und sie dürfen den sinnlichen Klang ganz unbeschwert genießen.

3. Cellospielen war Beinarbeit

Klingt ganz schön anstrengend… Die ursprünglichen Celli besaßen keinen Stachel, mit dem man sie am Boden abstützte. Sie mussten stattdessen von den Musikern mit den Beinen festgehalten werden. Erst ab 1850 verbreiteten sich die stützenden Stachel in Orchestern. Bei sehr alten Instrumenten findet man übrigens sogar noch Löcher im oberen Teil. Dadurch konnten die Cellisten ihr Cello um den Hals hängen und auch im Stehen oder Gehen spielen.

Sweating Flowers In The Dirt GIF by Paul McCartney - Find & Share on GIPHY

4. Schafsdarm und Hautleim

Klingt eklig, trägt aber zu dem wundervoll vibrierenden Klang bei, den wir am Cello lieben. Cellosaiten wurden und werden tatsächlich aus Darm hergestellt. Während früher reiner Darm verwendet wurde, spielen Cellisten heute vor allem auf Stahlsaiten, die einen Kern aus Darm oder Kunststoff haben und mit Metall umwickelt sind. Auch der Leim, der die verschiedenen Holzteile des Cellos zusammenhält, ist aus tierischen Produkten gewonnen. Dieser Hautleim hat den Vorteil, dass er in die Poren des Holzes eindringt und Mikrozapfen bildet. So sind am Ende keine Fugen im Instrument sichtbar.

5. Cello meets Pop

Du willst Cellist werden, hast aber keine Lust auf Klassik? Kein Problem. Die Beatles haben dem Cello in den 60er Jahren mit ihren Hits „Eleanor Rigby“ und „Strawberry Fields Forever“ zum Eingang in die Popmusik verholfen. Seitdem wurde das Cello auch von Coldplay, Nirvana, One Republik und vielen anderen verwendet.

6. Metallica auf dem Cello?

Warum nicht, dachten sich 1993 sechs finnische Cellostudenten. Kurzerhand spielten sie vier Stücke ihrer Lieblingsband Metallica auf ihren Cellos (Celli?) als Abschlussprüfung. Daraus entstand die inzwischen weltbekannte Cello-Rock-Gruppe Apocalyptica, die mit elektronisch verstärkten Instrumenten Metalsongs covert. Neben Metallica gibt’s jetzt auch Rammstein, Slayer und Sepultura für Cello. Schon auf ihrem zweiten Album hat Apocalyptica außerdem Eigenkompositionen veröffentlicht:

Headbangen können sie natürlich auch.

Cello GIF - Find & Share on GIPHY

7. Celli oder Cellos?

Um das ein für alle mal zu klären: Im Plural geht beides!

8. Keine eigene Partiturstimme

Das Cello musste sich seinen Platz unter den Streichinstrumenten erst erobern. Lange wurde es wegen seines tiefen, melancholischen Klangs als „Kummerkasten“ verspottet und galt als der Geige unterlegen. In der Partitur bekam das Violoncello oft nicht einmal eine eigene Stimme. Besonders im Barock wurden Celli mit den Kontrabässen und oft auch mit den Fagotten unter „bassi“ zusammengefasst. Diese Bassstimmen waren so simpel, dass sie buchstäblich spielte, wer gerade da war. Erst in der Klassik begann man, Cello- und Bassstimmen zu trennen. Beethoven war übrigens einer der ersten, der das Cello in seinen Kompositionen auch als Melodieinstrument verwendete.

9. 100 neue Cellowerke

Ohne Slawa Rostropowitsch, einen der bedeutendsten Cellisten der Geschichte, wäre das Cello-Repertoire heute deutlich dünner: Über 100 neue Werke hat er in Auftrag gegeben und uraufgeführt – oder ganz einfach alte Stücke zu neuen gemacht: So hat er Anfang der 50er Jahre mit dem Komponisten Sergeij Prokofjew sein 1. Cellokonzert so intensiv überarbeitet, dass etwas ganz neues herauskam: Die „Sinfonia Concertante“. Dieses Stück war so schwer, dass es außer Rostropowitsch selbst lange niemand spielen wollte.

Auf unserem Blog gibt es mehr zu Rostropowitsch und Prokofjew!

10. Cellomusik im Schützengraben

Trost, Unterhaltung, Ablenkung mitten im Krieg. Musik hat für Soldaten immer eine Rolle gespielt, zuhauf wurden kleine, gut transportable Instrumente wie Mundharmonikas mit an die Front genommen. Sperrige Instrumente wie Cellos haben Soldaten dann einfach direkt im Schützengraben hergestellt. Zigaretten- und Munitionsreste lieferten das Holz für diese sog.  Trench-Cellos (Grabencellos), hier rechts im Bild:

11. Klimawandel auf dem Cello

Die globale Erwärmung kann man sehen, spüren – und jetzt auch hören! Der Student Daniel Crawford an der University of Minnesota wandelte ein Klimadiagramm von 1880-2012 in ein Musikstück um, natürlich für Cello. Jede Note steht für ein Jahr und je höher die globale Oberflächentemperatur steigt desto höher werden auch die Töne. Insgesamt umfasst das Werk ganze drei Oktaven!

Es ist aus Zigarettenkisten und Schafsdarm, erklingt im Schützengraben und im Stehen und kann Metal, Pop und sogar Klimadiagramm spielen. Das Cello ist mit seiner Vielseitigkeit also völlig zurecht Instrument des Jahres 2018! Wir sind gespannt, was es noch für Überraschungen für uns bereithält.

Und weil wir das Cello nicht erst seit 2018 lieben, gibt’s hier noch eine kleine Zugabe von unseren Konzerthausorchester-Cellisten Andreas Timm und David Drost (diesmal am Klavier) von der Japan-Tournee 2017:

von Pia Starke

Fotocredits: 1) Marco Borggreve 2) Uwe Arens 3) Y. Medmoun


 

Kommentar Verfassen