Allgemein

Pachelbel, eigentlich.

Was haben Pachelbel und die Pet Shop Boys außer ihrem Anfangsbuchstaben gemeinsam? Richtig, beide haben große und weltweit bekannte Hits produziert! Der Barockkomponist Johann Pachelbel noch ganz altmodisch, nämlich vor allem für Orgel oder aber für drei Violinen und Basso continuo. Letzteres ist die Besetzung von Pachelbels wohl bekanntestem Werk, dem Kanon in D-Dur. Und hier kommen die Pet Shop Boys wieder ins Spiel: Denn die haben in ihrem Hit „Go West“ ganz geschickt bei Pachelbels Kanon abgeschrieben. So geschickt, dass es fast nur auffällt, wenn man beide Stücke direkt hintereinander hört:

Pachelbel – die Allzweckwaffe

Aber die Pet Shop Boys waren bei weitem nicht die einzigen, die sich Inspiration bei Pachelbel geholt haben. Der charakteristische Bass-Loop, wie man heute sagen würde, hat in zahlreiche Pop-Songs Eingang gefunden. Er setzt sich nämlich aus einer sogenannten Quartfallsequenz zusammen, die eben nicht nur generell in der Barockmusik, sondern auch in der modernen Jazz-, Pop- und Rockmusik ein häufig verwendetes harmonisches Mittel ist. Mal erkennt man ihn sofort, mal nur bei genauerem Hinhören:

Skandalöse Zitronen

So beliebt also diese Pachelbel-Sequenz, wie sie auch genannt wird, ist, sie ist nicht die einzige Vorlage für moderne Songs geblieben. Andere Künstler haben das Spiel sogar viel weiter getrieben: Sie haben ihre eigenen Lieder nicht nur einfach über so grundlegende Sequenzen wie die von Pachelbel gelegt und daraus dennoch etwas eigenes kreiert, sondern ganze Melodien einfach nur übernommen und mit (anderem) Text versehen. Das hat zum Beispiel Paul Simon in seinem Song „American Tune“ gemacht, der Bachs Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ aus der Matthäus-Passion imitiert. Oder aber Serge Gainsbourg in seinem skandalträchtigen „Lemon Incest“. Zusammen mit seiner Tochter Charlotte singt er zur Melodie von Chopins Etüde 0p. 10,3 kontrovers inzestuöse Anspielungen.

 

Beethoven wörtlich zitiert

Schließlich gibt es noch eine dritte Gruppe von Songs: kein Pachelbel, keine Melodieimitate, sondern Lieder mit Samples – sozusagen wörtlichen Zitaten – klassischer Werke. Nicht fehlen darf natürlich eine der berühmtesten klassischen Melodien überhaupt: das Thema aus Beethovens 5. Sinfonie. Das taucht nämlich – wie im Songtitel schon angekündigt – in Walter Murphys „A Fifth Of Beethoven“ auf. Weniger bekannt, aber nicht weniger schön ist Dusty Springfields Zitat von Wagners triumphierenden Tannhäuser-Triolen im Refrain ihres Songs „Don’t Speak Of Love“:

Wenn er das gewusst hätte.

beethoven_gif_pachelbel_eigentlich

von Rudi Schmid

Header Foto: Wikimedia Commons


 

Kommentar Verfassen