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„Last Christmas“? Not this christmas

Last Christmas Konzerthaus

Wer empfindet nicht diese eigenartige Hassliebe für Weihnachtslieder. Sie plärren seit Mitte November aus den Lautsprechern im Kaufhaus, auf dem Weihnachtsmarkt und im Radio. Hattet ihr auch schon einen ganzen Tag lang „Last christmas“ von Wham! im Ohr und verzweifelt nach Ablenkung gesucht? Wir stellen euch drei alternative Weihnachtslieder mit Ohrwurmpotential vor.

„Away in a manger“

Dieses ruhige, melodische Weihnachtslied ist im englischsprachigen Raum sehr verbreitet, hat aber wohl einen deutschen Ursprung: Lutheraner brachten „Away in a manger“ im 19. Jahrhundert nach Pennsylvania mit, angeblich wurde es von Martin Luther für seine Kinder komponiert. Doch Belege gibt es dafür nicht. Auch in England erfreut sich dieses Weihnachtslied großer Beliebtheit, allerdings zu einer anderen Melodie, komponiert 1895 von William James Kirkpatrick. Wie das klingt könnt ihr euch hier anhören, gesungen vom Choir of St. John’s College Cambridge:

Wie der Titel schon sagt handelt das dreistrophige Lied vom kleinen Jesus in seiner Krippe, der von Ochs, Esel und den Sternen am Himmel bewacht wird. Er wird gebeten, alle Kinder vom Himmel aus zu segnen und zu beschützen. Wegen der kindlichen Perspektive, die der Sänger bei diesem Lied einnimmt, wird „Away in a manger“ vor allem von Kindern gesungen, z.B. in Kinderchören oder beim Sternsingen. Gerade bei letzterem hatte der Song schon einen ganz besonderen Auftritt, der ihn auch unter Weihnachtsmuffeln mit Humor bekannt gemacht haben dürfte (natürlich mit der britischen Melodie):

„O come all ye faithful“

Elvis hat es gesungen, Bob Dylan hat es gesungen, Frank Sinatra, Mariah Carey, Nat King Cole und sogar Bad Religion… „O come all ye faithful“ oder die lateinische Version „Adeste fideles“ ist äußerst beliebt in der professionellen Popmusik. Der Urheber dieses feierlichen Chorals ist bis heute ungeklärt. Erstmals taucht es Mitte des 18. Jahrhunderts in Handschriften des englischen Kopisten John Francis Wade auf. Die englische Übersetzung „O come all ye faithful“ wurde 100 Jahre später vom Pfarrer Frederick Oakeley veröffentlicht. Das Weihnachtslied soll übrigens in seiner lateinischen Version das Lieblingslied des dritten US-Präsidenten Thomas Jefferson gewesen sein, in der englischen Variante das des 34. Präsidenten Dwight D. Eisenhower.

„The Lamb“

Ihr verdreht bei traditionellen Weihnachtsliedern nur noch die Augen und sehnt euch nach etwas anspruchsvoller Abwechslung? Dann ist John Taveners „The Lamb“ genau das richtige. Das Stück ist die Vertonung eines Gedichts von William Blake (1757-1827). Tavener selbst gibt an, die Idee zu der zärtlichen Hymne sei ihm bei einer Autofahrt mit seiner Mutter gekommen und es sei in seinem Kopf schon so vollkommen gewesen, dass er es nur noch aufzuschreiben brauchte.

Die zwei Strophen des Liedes sind in Frage und Antwort unterteilt. „Little lamb, who made thee?“ fragt der Sänger in der ersten Strophe. „Who gave thee life, […] gave thee clothing of delight, […] gave thee such a tender voice?“ In der zweiten Strophe erhält er die Antwort: „Little lamb, I’ll tell thee, […] he calls himself a lamb. […] He became a little child. I a child and thou a lamb, We are called by His name“. Kein Wunder also, dass Tavener die Vertonung dieser kindlichen Anrufung Christi, des Lamms Gottes, seinem kleinen Neffen Simon gewidmet hat.

Hört es euch am besten selbst an und lasst euch von den sanften, andachtsvollen Klängen bezaubern.

Wer beim Lesen Lust bekommen hat, ein paar dieser schönen, englischen Weihnachtslieder live zu erleben, hat jetzt die Möglichkeit: der Choir of St. John’s College Cambridge, einer der berühmtesten und ältesten College-Chöre Englands, singt am 20.12. ein Weihnachtskonzert im Konzerthaus und präsentiert ein breit gefächertes Repertoire englischer Vokalmusik von der Renaissance bis in die Gegenwart.

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Der Choir of St. John’s College stellt sich vor. Hier geht’s zum Video.

Titelfoto Credits: Philipp Dubrau

von Pia Starke