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Ich spiele jetzt wieder viel mehr Geige!

Eigentlich wäre Linda Polley total gut in einem der typischen Uni-Orchester aufgehoben. Sie studiert Medizin im 8. Semester, ist vor dreieinhalb Jahren nach Berlin gezogen und hatte Lust auf gemeinsames Musizieren. Und dann ist sie beim Konzerthaus Publikumsorchester gelandet, das es seit Oktober 2014 gibt. Wie kam es dazu?

Ich hatte es mit dem Orchester der Freien Universität versucht, aber als der Oboist, der gleichzeitig auch im Konzerthaus Publikumsorchester spielt, eine Rundmail mit dem Streicher-Gesuch des Publikumsorchesters rumschickte, war ich sofort Feuer und Flamme für das Programm, das wir damals gespielt haben. Am Publikumsorchester fand ich außerdem besonders toll, dass es damals, als ich dazugekommen bin, in der Phase des Zusammenfindens und -wachsens war, weil immer neue Leute dazukamen. In alteingesessenen Orchestern ist das Reinkommen ja manchmal ein bisschen schwer. Jetzt genieße ich die familiäre Stimmung hier sehr, zum Beispiel dass wir im Sommer gemeinsam auf der Spree Boot fahren, oder auch die Reise nach Kopenhagen nächstes Wochenende

Genau! Das Konzerthaus Publikumsorchester macht nämlich einen Austausch! Und zwar mit dem Publikumsorchester der Königlichen Oper Kopenhagen. Am zweiten Aprilwochenende steht zuerst ein gemeinsames Konzert in Kopenhagen an, dann folgt ein zweites am 30. April im Französischen Dom am Gendarmenmarkt. Die Konzepte der beiden Publikumsorchester sind dabei total unterschiedlich. Denn in Kopenhagen kann jeder mitspielen, egal welches Instrument und welche Erfahrung man mitbringt – es werden extra Stimmen arrangiert, sodass wirklich alle dabei sein können. Beim Konzerthaus Publikumsorchester gibt es dagegen schon ein gewisses gemeinsames Niveau, allerdings muss niemand ein Probespiel bestehen. Bei gemeinsamen Proben finden Orchester und Anwärter oder Anwärterin heraus, ob es passt oder nicht, bevor man dann zum festen Mitglied des Orchesters wird.

Aber zurück zu Linda. Was hat sich für sie verändert, seitdem sie im Konzerthaus Publikumsorchester spielt?

Ich spiele jetzt wieder viel mehr Geige! Und das ist mir wirklich unglaublich wichtig. Ich habe hier im Orchester sogar meine Geigenlehrerin gefunden, sie heißt Adriana, spielt 1. Geige im Konzerthausorchester und war bis letzten Sommer hier im Publikumsorchester unsere Konzertmeisterin. Dazu treffe ich mich auch mit anderen Leuten aus dem Publikumsorchester privat – zum Kammermusik spielen, Konzerte besuchen und natürlich auch einfach so. Mein Freund spielt auch seit Anfang dieses Jahres bei uns mit. All das zusammen ist für mich eine echte Bereicherung. Die letzten Monate habe ich fast jeden Tag drei Stunden Geige geübt – das hätte ich früher nie gedacht! Zwischendurch stehen zwar immer wieder andere Dinge an, mit denen ich mich beschäftigen muss, sodass ich phasenweise weniger Zeit habe. Aber ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit meiner Geige, weil ich mein Instrument liebe und mir der Ausgleich gut tut.

Was magst du besonders an deiner Geige?

Sie hat einen vollen Klang und ist ziemlich laut, vielleicht manchmal sogar etwas zu laut für eine Orchestergeige. Sie klingt sehr sonor, fast wie eine Bratsche, nur höher. Ich habe sie zum 20. Geburtstag von meinen Eltern bekommen, da sie gemerkt haben, wie wichtig mir das Geige Spielen wieder geworden ist.

 

Und mit wem im Orchester würdest du gern für eine Probe tauschen?

Gute Frage! Ich glaube, mit unserem Dirigenten Dirk! Ich würde gern mal ausprobieren zu dirigieren. Eigentlich würde ich es sogar gern richtig lernen und lese deshalb gerade ein Buch übers Dirigieren. Wer weiß, vielleicht darf ich ja wirklich mal eine Registerprobe leiten.

 

Danke, Linda! Dem Konzerthaus Publikumsorchester wünschen wir auf jeden Fall viel Spaß und Erfolg bei der ersten großen Orchesterfahrt nach Kopenhagen. Und wer das Publikumsorchester entweder einmal live erleben oder gar selbst mitspielen möchte, für den gibt es alle Termine und Infos auf unserer Website: konzerthaus.de/publikumsorchester


 

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