Allgemein, Hommage an Dmitri Schostakowitsch

Schostakowitsch und wir – Gratwanderung und Graffiti

Schostakowitsch-Hommage am Konzerthaus Berlin: „Gratwanderung und Graffiti – wem gehört die Kunst?“ fragt aus diesem Anlass open your ears, die Reihe des Konzerthaus mit Berliner Jugendlichen. Weil das Thema immer aktuell bleibt, haben zwei Pankower 10. Klassen ausgehend von Werken und Biographie des Komponisten in Workshops eine multimediale Collage geschaffen. Am 3. März wird sie neben anderem vorgestellt.

Wer sich mit Dmitri Schostakowitsch beschäftigt, kommt an äußerem Druck und innerer Not nicht vorbei. Während der Schreckensherrschaft Stalins über die Sowjetunion schwebte der Komponist stets in Gefahr, der Geheimpolizei zum Opfer zu fallen. Das existenzielle Bedürfnis, sich künstlerisch frei auszudrücken und der überlebenswichtige Kompromiss mit dem Regime haben sein Werk geprägt und ihn lebenslang gequält. Weil sich die Schüler*innen Schostakowitsch und seinen Kämpfen aus ihrer Lebensperspektive genäher haben, sind überraschende Querverbindungen entstanden: Welche Rolle spielen soziale Medien für individuelle und künstlerische Freiheit, aber auch bei Unfreiheit und Überwachung? Ist Graffiti Kunst? Wie sieht es bei dieser Art, sich auszudrücken, mit der Freiheit aus? In der Auseinandersetzung sind field recordings, Graffiti, Zeichnungen, Masken und Texte entstanden. Zum Beispiel der von Dilan Büyükkaya, aus dem folgende Passage stammt:

Schüler*innen-Collage zum Thema Graffiti

„[…] Was ist einem mehr wert: Ein sicheres Leben oder die Freiheit der Gedanken? Schostakowitsch wollte beides, hat aber nichts davon bekommen. Kein sicheres Leben, da er manchmal seine Meinung ausdrückte, aber auch keine komplette Freiheit der Gedanken, weil er wiederum mit dem Strom schwamm. Daran erkennt man, dass Schostakowitsch ein Mensch war wie alle anderen auch, mit Angst um sein Leben, seine Familie. Und trotzdem wagte er es und tat manchmal einfach was er für richtig befand. Dadurch wurde er in seinem Leben zwar durch Angst eingeschränkt, aber seine Seele war etwas freier. Und dieses Gefühl kann einem niemand nehmen.“

Schostakowitsch zur Inspiration

Mit einem interdisziplinäres Team aus Musikerin Silke Lange, Komponistin Misha Cvijović, Videokünstler Jakob Klaffs, Sounddesigner Jan Brauer und Performerin Marianne Ramsay-Sonneck waren die Zehntklässler*innen in Workshops aktiv an der Entstehung künstlerischer Inhalte beteiligt. Ausgehend von Schostakowitschs Musik als Inspiration haben sie aus eigenem Material Sounds, Videos, Bilder und Texte geschaffen. Die entstandene multimediale Collage kann man beim open your ears-Konzert erleben.

Hier gibt’s Karten für die Veranstaltung am 3. März im Konzerthaus Berlin.