Allgemein, Konzerthausorchester, Musikerportrait

Instrument des Monats #3 Trompete – immer schön ausatmen!

Trompete faszinierte Peter Dörpinghaus schon als kleiner Junge. Da lauschte er dem heimischen Musikverein Wipperfürth, in dem sein Vater Posaune und Tenorhorn blies. Mit vier wünschte sich unser Solo-Trompeter selbst ein Instrument und bekam erstmal ein Kornett. Das ist nämlich noch etwas kleiner als eine Trompete. Noch zu Schulzeiten gründete er sein eigenes Blechbläserensemble. Seit 2016 ist er an der Solo-Trompete im Konzerthausorchester zu hören.

Ist man an der Solo-Trompete vor Konzerten aufgeregter als die Kolleg*innen?

Nervosität ist eine ganz natürliche Reaktion, mit der wir aber alle umgehen lernen müssen. Die Schwierigkeit bei allen Blasinstrumenten besteht darin, dass wir den Ton mit unserem Körper und unserer Atmung erzeugen. Nervosität schlägt sich zuallererst auf den Herzschlag und die Atmung nieder: Man atmet dann schneller und oberflächlicher, aber genau das sollte man als Bläser nicht tun. Bei der Nervosität spannt sich alles an – ich hatte selbst mal ein Probespiel, bei dem einfach kein Ton kam.

Gibt es ein Rezept, um diese Anspannung loszuwerden, bevor es auf die Bühne geht?

Auf jeden Fall: Ausatmen. Wenn man mehr aus- als einatmet, werden Körper und Puls automatisch ruhiger. Dann ist man für die schwierigen Stellen bestens gerüstet. Und es hilft, vorher ein paar leise Töne anzuspielen, damit der Ton anspricht, wenn man auf der Bühne sitzt.

Du spielst nicht „nur“ Trompete im Konzerthausorchester, sondern machst auch Kammermusik.

Zum Beispiel mit meinem Blechbläserensemble „Salaputia Brass“. „Salaputium“ ist im Lateinischen der Zwerg oder „geile Knirps“. Wir haben uns 2007 im Bundesjugendorchester zusammengetan und finden die Vorstellung witzig, dass wir in hohem Alter noch Musik machen und die „geilen Knirpse“ heißen. Ob das dann wirklich noch witzig ist, wird sich wohl zeigen. Jedenfalls spielen wir seit 2011 im großen Ensemble.

Was gibt’s in einem Konzert von „Salaputia Brass“ zu hören?

Unser Schwerpunkt liegt auf Originalkompositionen für Blechbläser in Kammermusikbesetzung. Dieses Genre gibt es erst seit den 1950er Jahren. Damals langweilte sich nämlich zum Beispiel der Londoner Trompeter Philip Jones in seinem Orchester und gründete deshalb kurzerhand sein eigenes Ensemble. Das Repertoire ist auch noch nicht so umfangreich, deswegen geben wir gelegentlich Kompositionen in Auftrag oder arrangieren selbst. 

Was inspiriert Dich zu Arrangements?

Oft ist es so, dass ich in einem Stück eine Stelle höre, die ich mir mit Blechbläsern vorstellen kann. Oder wir bekommen konkrete Anfragen von Festivals. Ich beginne dann direkt in die Noten hineinzuschreiben und mir Notizen zu machen, welche Stimme welche Noten spielt. Mit dem Tablet kann ich das wunderbar unterwegs in der Bahn machen. Danach muss es meistens eine Weile liegen, bis ich’s abschließe.

So sieht es aus, wenn Peter Notizen in die Partitur einträgt und so hört es sich dann an („Roots“ von Salaputia Brass, erschienen 2020 auf Oehms Classic):

In der #doppeltgefragt-Ausgabe mit Solo-Klarinettist Ralf Forster verrät Peter sogar, was sein eigentliches Lieblingsinstrument ist 🤫:

Kurzbio

Peter Dörpinghaus wuchs in NRW im Bergischen Land auf, studierte in Essen sowie in Hannover bei Jeroen Berwaerts und war Stipendiat der Orchesterakademie der Bamberger Symphoniker. Der Preisträger der Deutschen Stiftung Musikleben gewann außerdem mit seinem Blechbläserquintett Salaputia Brass nationale und internationale Preise. In der Saison 2013/14 war er Solo-Trompeter bei den Hamburger Philharmonikern, seit 2016 ist er in dieser Position bei uns.

von Luisa Aha und Annette Zerpner

Fotos: Luisa Aha, Ralf Forster, Marco Borggreve