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Instrument 2.1 – Orgel-Fakt Nr. 11

Ein Jahr mit der Orgel, ein Jahr voller Orgel-Fakten für Euch! Wir haben das Instrument des Jahres hier auf dem Blog Monat für Monat mit Euch zelebriert. In dieser Folge wird es visionär mit unserem Orgel-Experten, Dramaturg Dietmar Hiller. Er verrät Euch:

Orgel-Fakt Nr. 11 mit der Antwort auf die Frage:

Wie sollen wir uns die Orgel der Zukunft vorstellen?

Einen einzigen Orgeltyp als „Orgel der Zukunft“ kann es nicht geben. Dazu sind Geschichte und Gegenwart dieses herrlichen Instruments viel zu vielgestaltig, als dass man sich auf eine Richtung festlegen kann.

Ich sehe die Zukunft der Orgel weiterhin in einem handwerklich qualitätvollen Instrumentenbau. Jedes Instrument ist ein Individuum.

Dietmar Hiller

Bei kleinen Orgeln kann man mit gut ausbalancierten Trakturen, also der Mechanik, die die Kraft von den Tasten auf die Pfeifen überträgt, und diffizil intonierten Flöten- oder Zungenstimmen bei Spielern und Zuhörer:innen wahre Glücksgefühle erzeugen.

Im Konzertsaal dagegen kommt es auf andere funktionale Aspekte wie gute Bedienbarkeit, präzise arbeitende Schaltelektronik und gute Sicht- und Hörverhältnisse für das Zusammenspiel mit anderen Musikern, Orchestern und Chören an.

Bei all den Weiterentwicklungen darf man (beziehungsweise der Orgelbauer oder die Orgelbauerin) nie vergessen, dass auch die Orgel der Zukunft ein Blasinstrument ist, ein lebendig klingender Organismus. Und dass sich der Ton trotz aller technischen Finessen und Hilfsmittel dadurch bildet, dass der Orgelwind sich am Pfeifenlabium bricht.

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Ab einer gewissen Größe ist eine Orgel immer an einen konkreten Raum gebunden. Egal, ob es sich dabei um ein Wohnzimmer oder um eine Messehalle handelt. Sie wird auf diesen einen Raum – und die vorgesehene Nutzung – hin konzipiert, angefertigt und klanglich abgestimmt.

Etwas anders verhält es sich natürlich mit den elektronischen Orgeln. Was denen an „lebendigem“ Klang fehlt, machen die Instrumente mit viel Power wett. Hakelige Open-Air-Situationen? Kein Problem! Wind und Wetter oder weitläufige Areale? Die richtigen Lautsprecher kriegen alles hin!

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Ein unserer Meinung nach absolut gelungenes Exemplar einer solchen elektronischen Orgel wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten. Und somit beschließen wir unsere Fakten-Reihe über das Instrument des Jahres mit einem kurzen Konzert unseres ehemaligen Artist in Residence Cameron Carpenter im leeren Großen Saal des Konzerthaus:

Text: Dietmar Hiller und Renske Steen