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Orgel-Fakt Nr. 9 – Registervergleich und eine echte Prinzessin

Fakt Nr. 9 stellt eine echte Prinzessin vor. Vorher erfahrt ihr aber noch, was wichtige Kennzahlen unserer Jehmlich-Orgel sind. Nimmt man ein paar andere Exemplare hinzu, ist es fast wie beim Auto-Quartett: Wer hat mehr? Allerdings geht es beim Instrument des Jahres 2021 um Pfeifen und Register statt um Zylinder und Hubraum!

Mit welchen technischen Daten punktet die Jehmlich-Orgel im Konzerthaus Berlin?

Die Jehmlich-Orgel im Großen Saal des Konzerthaus Berlin besitzt 74 klingende Register, die sich auf vier Manualwerke und ein Pedalwerk verteilen. Insgesamt hat sie 5.811 einzelnen Pfeifen. Inklusive ihres tragenden Stahlgerüsts bringt sie ganze 20 Tonnen auf die Waage.

Eine mittlere Kirchenorgel verfügt dagegen nur über 20 bis 30 Register. So hat zum Beispiel die Orgel der Französischen Friedrichstadtkirche aus dem Hause Eule-Orgelbau Bautzen 30 und die Alexander-Schuke-Orgel in der Sophienkirche 31 Register.

Sie ist die Größte in Berlin`: Die Sauer-Orgel im Berliner Dom von 1905 hat ganze 113 Register! In der Philharmonie dagegen befindet sich die größte Konzertsaalorgel der Stadt, deren 90 Register sich auf die Haupt- und die zweigeteilte Chororgel auf der Bühne verteilen.

Großinstrumente mit je vier Manualen und Pedal stehen unter anderem in der Auenkirche und der Lindenkirche in Berlin-Wilmersdorf. Weitere beherbergen die St. Matthias-Kirche in Berlin-Schöneberg und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz.

Die kleine Schwester

Wir hoffen, ihr seid gebührend beeindruckt! Aber es geht sogar noch weiter: Schon Wolfgang Amadeus Mozart wußte, dass die Orgel die Königin der Instrumente ist. Allerdings hat er 1777 in einem Brief an seinen Vater noch vom „König der Instrumente“ geschrieben.

Zu einer Königin gehören natürlich ein Hofstaat und möglichlist auch eine Prinzessin! Seit 1993 verfügt das Konzerthaus über eine fahrbare Kleinorgel mit zwei Manualen und Pedal, ebenfalls von der Dresdner Firma Jehmlich erbaut. Deren elf klingende Register erlauben es, Literatur von mehr kammermusikalische Ausrichtung zu spielen und darüberhinaus das Zusammenspiel mit anderen Instrumentalist*innen. So ermöglicht die Kleine, die wir im hausinternen, aber durchaus offiziellen Sprachgebrauch liebevoll „Prinzessin“ nennen, auch Programme im Kleinen Saal. Ihr findet sie in der Reihe „Organo con stromenti“

Text: Dietmar Hiller und Renske Steen