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Instrument des Monats #1 – Die Harfe, eine gesellige Exotin

Die Harfe hat eine Sonderstellung im Orchester – sie ist allein eine Stimmgruppe. „Allein“ ist außerdem meistens wörtlich zu nehmen: Mehr als eine Harfe ist ausgesprochen selten besetzt. In Besetzungslisten steht sie auch noch ganz am Ende. Einsam und zurückgesetzt fühlt sich unsere  Solo-Harfenistin Ronith Mues deshalb noch lange nicht. Und wir fangen unsere neuen Reihe „Instrument des Monats“ zur Abwechslung einfach mal mit ihr und ihrem Instrument an.

Ronith hat an der Harfe ihrer Mutter laufen gelernt, „weil man sich an der Säule des Instruments so gut festhalten konnte.“ Sie spielt seit bald 15 Jahren als Solo-Harfenistin im Konzerthausorchester und unterrichtet als Professorin an der Musikhochschule Mannheim leidenschaftlich gern die nächste Generation.

Was macht die Harfe für Dich besonders? 

Natürlich vor allem der Klang, der etwas sehr Beruhigendes und Sphärisches hat und mich schon mein Leben lang begleitet. Und der Transport! Wenn ich meinen Harfenkasten über den Gendarmenmarkt schiebe, ziehe ich immer ziemlich viele Blicke auf mich.

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Eine kleine Auswahl der Dinge, die Ronith außer ihrem Instrument noch im Harfenkasten transportiert.

Mich reizt aber auch die technische Herausforderung: Meine Finger formen den Ton direkt auf den Saiten, es gibt keinen Transmitter, wie die Tasten beim Klavier oder die Bögen der Streicher. Hinzu kommt die Arbeit mit den sieben Pedalen, die jeweils drei verschiedene Stellungen haben: Wenn sich zum Beispiel alle in der mittleren Stellung befinden, klingen die Saiten wie die weißen Tasten beim Klavier. Um Halbtöne zu spielen, verkürze oder verlängere ich die Saiten indem ich das jeweilige Pedal nach oben oder unten bewege. Dabei gibt es für alle roten C-Saiten jeweils ein Pedal, mit dem dann die entsprechende Oktave umgestimmt wird. Diese Hand-Fuß-Koordination ist extrem wichtig, denn wenn man mit den Fingern perfekt spielt, aber das falsche Pedal benutzt, hört man das sofort.

Ist es eher angenehm oder mühsam, die einzige Harfe im Orchester zu sein?

Es ist auf jeden Fall speziell, im positiven wie im negativen Sinne. Mit der Harfe bist du eher eine Einzelgängerin: Du musst alleine zählen, deine Einsätze finden, immer sehr stark auf das Orchester hören. Damit besitze ich natürlich auch eine gewisse Verantwortung. Ich muss selbst dafür sorgen, dass ich folgen kann. Dazu kommt, dass es immer weniger Orchesterstellen für Harfen gibt.

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Alleine zählen und die Einsätze finden – Roniths Einsätze sind sozusagen immer solo!

Was bedeutet das für Deine Studierenden?

Der Anspruch steigt kontinuierlich, weil die Konkurrenz sehr groß ist. Das führt allerdings auch dazu, das man Harfe heute technisch auf einem viel höheren Niveau spielt als in früheren Generationen. Viele meiner Studierenden belegen nebenbei weitere Fächer, um auf der sicheren Seite zu sein. Als Professorin habe ich die Aufgabe, sie so auszubilden, dass sie auf dem Markt Fuß fassen können. Ich unterrichte schon lange und wirklich gerne, gerade weil das Niveau inzwischen so hoch ist. Dabei kann ich meine eigenen Erfahrungen und viele Tipps weitergeben. Das Schöne daran ist, dass ich einen spannenden Weg begleite, der jedes Mal anders verläuft.

Wie sieht es bei der Harfe mit Kammermusik aus?

Für mich hat Kammermusik einen sehr hohen Wert, es ist eine sehr edle Art zu musizieren. Die langjährige Zusammenarbeit im Horenstein Ensemble war und ist mir enorm wichtig. Wir spielen zwar solistisch, jedoch nicht alleine. Dabei erarbeiten wir eine gemeinsame Interpretation, was im großen Orchester machmal eher schwierig ist. Die Harfe kommt im Horenstein Ensemble weit mehr zu Geltung – ich kann den ganzen Facettenreichtum meines Instruments zeigen. Oft stammen die von uns aufgeführten Kammermusikwerke aus dem Impressionismus, als viel für Harfe komponiert wurde. Ich bin sehr dankbar, Kollegen und Kolleginnen gefunden zu haben, die nicht nur Streichquartette oder Klaviertrios spielen wollen, sondern auch die liebe einsame Harfe (lacht) dazunehmen.

Ronith spielt in unserem hauseigenen Horenstein Ensemble, das aus Streichquartett, Klarinette, Flöte (als Gast) und Harfe besteht

An welches Orchesterkonzert erinnerst Du Dich besonders gern?

Wir haben vor einigen Jahren mit Iván Fischer Mahlers dritte Sinfonie gespielt. Das war die einzige seiner Sinfonien, die ich noch nie gespielt hatte. Als dann in der Probe der Chor einsetzte, wurde mir bewusst, wie schön dieses Stück ist. Ich hatte sofort Tränen in den Augen. Solche Momente behält man wirklich lange in Erinnerung.

Solo-Harfe und Dirigent in einer Konzertpause im Gespräch

Und was machst Du in den letzten 10 Minuten vor Konzertbeginn?

Stimmen! Alle 47 Saiten der Harfe müssen vor jeder Probe und jedem Konzert noch einmal gestimmt werden. Das kann ich am besten alleine in den 15 Minuten, bevor es losgeht – dann habe ich die nötige Ruhe auf der Bühne und kann sichergehen, dass alles in Ordnung ist.

Als Solistin mit dem Konzerthausorchester ist Ronith am 23. und 24. Oktober zu erleben: Da spielen sie und unser Solo-Flötist Yubeen Kim Mozarts berühmtes Doppelkonzert für Flöte und Harfe. Mit dem Horenstein Ensemble tritt Ronith das nächste Mal am  22. November in einem Matineekonzert auf.

Text: Luisa Aha, Annette Zerpner

Fotos: Tobias Kruse / Ostkreuz (Titel), Markus Werner (Horenstein, Inhalt Harfenkasten), Norbert Möller