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Pfeifen, Mechanik, Tasten, Knöpfe – Orgel-Fakt Nr. 4

Die Orgel ist nun schon ein Vierteljahr Instrument des Jahres – höchste Zeit also, dass wir Euch etwas über ein besonderes Exemplar erzählen: Unsere „Jehmlich“ im Großen Saal.


Hier kommt Orgel-Fakt Nr. 4 und damit die Antwort auf die Frage:

Wann, wo und wie lange wurde an der Jehmlich-Orgel des Konzerthaus gebaut?

Eine Orgel wie unsere Jehmlich-Orgel von 1983/84 zu bauen, ist eine Großunternehmung. Am 3. Oktober 1984, zwei Tage nach Wiedereröffnung des kriegszerstörten, als Konzerthaus wiederaufgebauten Schauspielhaus fand die Bauzeit in der festliche Orgelweihe ihren Abschluss. Es spielten Kirchenmusikdirektor Christoph Albrecht und der neuberufene Schauspielhausorganist Joachim Dalitz. unser Dramaturg Dietmar Hiller war als Registrant im Großen Saal dabei.

Der Bauzeit ging eine mehrjährige Planungsphase voraus, in der außer der Orgelbaufirma noch zwei weitere prominente Organisten ihre Expertise einbrachten: Christoph Albrecht und Kirchenmusikdirektor Erich Piasetzki, der ab 1960 für 20 Jahre Orgelsachverständiger der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg war.

Dietmar Hiller erinnert sich:
Da Erich Piasetzki auch mein Orgellehrer war, nahm ich an den meisten dieser regelmäßigen Vor-Ort-Treffen der beiden Sachverständigen mit den Intonateuren als „Probant“ teil. Ich saß dabei an der Orgel und spielte auf Zuruf der auf dem Mittelbalkon sitzenden Sachverständigen einzelne Registrierungen, kleine Stückchen und Ausschnitte aus größeren Werken. Streng genommen bin ich also derzeit der dienstälteste „Organist“ an diesem Instrument…

1983 begannen die Werkstattarbeiten bei Jehmlich in Dresden. Dazu gehörte die Anfertigung der Pfeifen, Mechanik, Tasten und Knöpfe des Orgelgehäuses ebenso wie eine Vormontage im Montagesaal.

1984 wurde die Orgel dann in den Konzertsaal eingebaut, der selbst noch nicht fertiggestellt war. Zunächst errichtete man das Stahlgerüst und hängte bzw. stellte Windladen, Windkanäle, Spieltraktur und Pfeifen ein. Die einzelnen Gewerke waren damit mehrere Wochen beschäftigt. Zwei Orgelbauer brauchten ganze fünf Wochen, um die mechanische Spieltraktur zu installieren. Dass sich dieser Aufwand wirklich gelohnt hat, war am Ende aber wirklich hörbar!

Orgel steht – aber noch lange nicht fertig

Sobald die Orgel stand, gingen die Intonateure an ihre monatelange Arbeit. Jede Pfeife musste einzeln angespielt und in Lautstärke und Ansprache Raum und beabsichtigtem Gesamtklang angepasst werden. Dazu sind mindestens zwei aufeinander eingespielte Fachleute nötig: Einer hört im Saal und gibt die entsprechenden Anweisungen. Der andere ist mit Werkzeug in der Orgel an der jeweiligen Pfeife und korrigiert das Klangergebnis. In regelmäßigen Abständen gab es „Sessions“ mit den Sachverständigen. Die offizielle Abnahme des fertiggestellten Instruments am 30.8.1984 war danach nur noch Formsache. 

Erstes offizielles Bild der Jehmlich-Orgel im Großen Saal am Vorabend der Eröffnung 1984