Allgemein

Erfolgreicher Geschäftsmann – Orgel-Fakt Nr. 3

Es ist März, und die Orgel weiterhin Instrument des Jahres 2021. Da wir noch einige Orgel-Fakten für Euch in petto haben, verlieren wir keine Zeit, sondern starten mit der Vorstellung einer sehr wichtigen Persönlichkeit im Orgelkosmos.


Hier kommt also Orgel-Fakt Nr. 3 und damit ein gewisser Herr Silbermann.

Gottfried Silbermann und das Geschäft mit der Orgel

Zwischen 1710 und 1753 schuf der berühmte Orgelbaumeister Gottfried Silbermann (1683 – 1753) in seiner Freiberger Werkstatt über 50 Instrumente. Deren Spitzenqualität musste man allerdings mit Spitzenpreisen erkaufen. Zwei Drittel bis heute sind erhalten und in Gebrauch. Das ist für einen Orgelbauer des 18. Jahrhunderts eine sehr hohe Quote!

Silbermann garantierte sorgfältigste Verarbeitung, bestes Material und zuverlässige Lieferzeiten. Außerdem erhielten seine Mitarbeiter eine anständige Bezahlung. Zeitweise hatte er bis zu sieben Männer sowie eine Köchin und Haushälterin in Lohn und Brot. Auch das verteuerte seine Instrumenten.

Als Unternehmer verfügte Silbermann über genügend Nachfrage, so dass er nicht jeden Auftrag annehmen musste. Viele Kirchengemeinden oder städtische Verhandlungspartner aber schluckten zunächst bei Silbermanns Preisforderungen. Verhandlungsspielraum? Fehlanzeige! Allerdings sollten sich die Investitionen für die Auftraggeber in anderer Weise auszahlen: Dank hoher Qualität war der später anfallende Reparaturaufwand deutlich geringer.

Ganz schön teuer, dieses Instrument

500 bis 600 Taler ensprachen damals dem sechsfachen Jahreslohn eines Arbeiters. Dafür bekam man eine einmanualige Orgel mit Pedal und etwa 10 Stimmen. Eine zweimanualige Orgel konnte 800 bis 1000 Taler kosten, größere Instrumente 1500 oder auch 3000 Taler.

Manches Orgelbauprojekt scheitert an den hohen Kostenvoranschlägen der Werkstatt Silbermann – zum Leidwesen der Organisten vor Ort, die sich natürlich so ein schönes Instrument gewünscht hatten. Manchmal führten zähe Verhandlungen doch noch zum Vertragsabschluss.


Silbermann-Orgel im Freiberger Dom

Orgelbauer brachten es selten zu größerem Wohlstand, denn ihre schlechtere Verhandlungsposition wurde von städtischen und kirchlichen Auftraggebern zuweilen gnadenlos ausgenutzt.

Diese nämlich handelten Preise und Zahlungsbedingungen fleißig herunter: Wie viel war bei Vertragsabschluss fällig? Welcher Anteil wurde während der Werkstattarbeiten, welcher bei Abnahme des fertigen Instruments ausgezahlt? Die Werkstatt Silbermann mit ihrem großen Renommee war gegenüber der Konkurrenz im Vorteil. Sie konnte Zahlungsmodalitäten verhandeln, die verhinderten, dass der Orgelbauer eine neue Orgel gar per Kredit hätte vorfinanzieren müssen.

Der hervorragende Ruf mancher Orgelbau-Werkstätten hat zu allen Zeiten Einfluss auf den Preis ihrer Instrumente gehabt. „Stradivaris“ kann man diese Orgeln jedoch kaum nennen. Anders als die inzwischen für astronomische Summen gehandelten alten Luxus-Streichinstrumente sind sie echte Gebrauchsgegenstände. Sie können weder im Tresor gelagert noch an hervorragenden Nachwuchs verliehen werden. Der Preisentwicklung auf dem Orgelmarkt war und ist durch die finanziellen Möglichkeiten der kirchlichen, staatlichen oder städtischen Auftraggeber gewisse Grenzen gesetzt. Heute bestimmen natürlich auch die Ausschreibungsregularien solche Großaufträge mit.

Zum Schluss könnt ihr Euch Bachs berühmte Toccata in d-Moll anhören. Sie wird auf der Silbermann-Orgel im Freiberger Dom gespielt.

Text: Dietmar Hiller und Renske Steen