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Eine echte Maschine – Orgel-Fakt Nr. 2

Es ist wieder Orgelzeit! Denn Ihr habt doch hoffentlich nicht vergessen, dass die Orgel das Instrument des Jahres 2021 ist? Über das zumeist riesige Instrument gibt es auf jeden Fall so viel zu erzählen, dass wir Euch für jeden Monat ein kleines Orgel-Häppchen vorbereitet haben.


Hier kommt also Orgel-Fakt Nr. 2 oder eher die Antworten auf die Fragen:

Wie entsteht ein Orgelton, welche besonderen Klänge können auf der Jehmlich-Orgel erzeugt werden, und gibt es noch mehr?

Halt, stopp, zuerst ein Bild von unserer Jehmlich-Orgel! (So heißt nämlich das wunderschöne Exemplar, das Ihr bei uns im Großen Saal bewundern könnt.) Sie ist doch wirklich bildhübsch, oder?

Foto: Johann Karl

Und jetzt zur Beantwortung der Fragen, die unser Dramaturg und absoluter Orgel-Experte Dietmar Hiller gern für Euch zusammenfasst:

Zunächst einmal ist die Orgel ein Blasinstrument: Der Ton entsteht in der einzelnen Pfeife, welcher – gesteuert durch Tastendruck und Registereinschaltungen – der sogenannte Orgelwind zugeführt wird. Der Luftstrom bricht sich am Labium der Pfeife, so dass sich im Pfeifenkörper eine schwingende Luftsäule aufbaut. Je länger diese Luftsäule, reguliert durch die Länge der Pfeife, ist, desto tiefer der Ton.

Die Vielfalt der auf einer Orgel möglichen Klänge ergibt sich aus der Anzahl und unterschiedlichen Bauart der einzelnen Register: Da gibt es Prinzipale und Flötenstimmen, sogar „Streicher“ und Zungenregister verschiedenster Bauart.

Und die Konzerthaus-Orgel hat mit ihren 74 Registern einiges zu bieten! Das Material und die Bauform bestimmen dabei die Klangfarbe des jeweiligen Registers, seine Rolle im Gesamtklang und seine Mischfähigkeit mit anderen Registern. 

Aber die Orgel ist kein reines Blasinstrument! Zwischen Spieler und den Pfeifenton ist ein Mechanismus eingeschaltet. Das Wort „Orgel“, aus dem griechischen „Organon“ bzw. dem lateinischen „Organum“ abgeleitet, bedeutet nämlich nichts anderes als „Instrument“ im Sinne von „Werkzeug“. Man könnte auch „Maschine“ sagen…

Neben den Labial- und Zungenpfeifen verfügt die Jehmlich-Orgel auch über eine gewisse „Perkussion“-Gruppe, nämlich Röhrenglocken (dem III. Manual zugeordnet) und zwei Zimbelsterne sowie als besondere Pfeifenfunktionen einen Kuckucksruf und „Vogelgeschrei“ (hier werden Pfeifenmündungen in einen Wasserbottich geführt …). Auf weitere Geräuscheffekte, wie sie für eine Kinoorgel typisch und auch notwendig sind, konnte bei dieser Konzertsaalorgel jedoch verzichtet werden.

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Text: Dietmar Hiller und Renske Steen