Allgemein, Konzerthausorchester

Herzlichen Glückwunsch, Iván Fischer!

Ivan Fischer Photo: Marco Borggreve

Unser Ehrendirigent Iván Fischer feiert am 20. Januar seinen 70. Geburtstag. Zwischen 2012 und 2018 Chefdirigent des Konzerthausorchesters Berlin, hat er die Musiker*innen, das Haus und natürlich unser Publikum immer wieder auf vielfältige Weise musikalisch überrascht und inspiriert.

Das Konzerthausorchester Berlin gratuliert Iván Fischer gemeinsam mit zwei weiteren Mitgliedern seiner „musikalischen Familie“,  dem Budapest Festival Orchestra und dem Royal Concertgebouworkest Amsterdam – am 20. Januar ab 20.30 Uhr in einem kostenlosen Stream auf unserer Website. Neben drei Kompositionen des Gefeierten präsentieren sie eine Collage vergangener Produktionen mit ihm.

Aus Iván Fischers Œuvre hat das Konzerthausorchester Berlin „Eine deutsch-jiddische Kantate“ gewählt. Am Pult steht der Jubilar, interpretiert wird das Werk von einer kleinen Streicherbesetzung, der aktuellen Artist in Residence, Sopranistin Anna Prohaska, sowie Solo-Trompeter Peter Dörpinghaus.

Best of Iván – ein Rückblick

Zu den vielen Ideen, die Iván Fischer in seiner Zeit als Chefdirigent am Konzerthaus Berlin umgesetzt hat, gehört die Konzertreihe „Mittendrin“, Dabei nimmt das Publikum zwischen den verteilt im Parkett sitzenden Orchestermitgliedern Platz, um Musik auf diese Weise ganz nah zu kommen – ein Novum, über das weltweit berichtet wurde, das andere Häuser inzwischen aufgegriffen und für das die Parkettkarten immer schnell ausverkauft sind.

Bei „Mittendrin“ zur Eröffnung des „Festival Baltikum“ im Februar 2018 beeindruckte das Gespräch zwischen Iván Fischer und dem großen, oft als scheu beschriebenen estnischen Komponisten Arvo Pärt das Publikum besonders. Mit vier Folgen „Mittendrin“ und vier Konzertprogrammen ist Ehrendirigent Fischer weiterhin jede Saison mit dem Konzerthausorchester Berlin zu erleben.

Leidenschaft Oper

„Ich möchte mich nicht wiederholen. Das wäre furchtbar.“

Eine Leidenschaft Iván Fischers gilt der Oper – zwei von Mozart hat er bei uns inszeniert und dirigiert, 2013 „Die Hochzeit des Figaro“ und 2016 „Die Zauberflöte“. Den von ihm komponierten „grotesk-lyrischen“ Einakter „Die rote Färse“ brachte er 2014 an den Gendarmenmarkt. Seine Kinderoper „Der Grüffelo“ nach dem gleichnamigen weltweit erfolgreichen Bilderbuch wurde hier 2019 uraufgeführt.

Immer für eine Überraschung gut

Überraschungskonzerte, bei denen Iván Fischer das Programm immer erst von der Bühne aus ansagte, waren eine weitere Neuerung. 2014 stand bei einem davon ein Baum mitten im Orchester, das um einen Käfig  Singvögel erweitert wurde. Dass sie ihre Sache sehr gut gemacht haben, zeigt ein Video – aufgenommen mit einer Kamera, die Iván Fischer bei der öffentlichen Probe vor der Brust trug.

Iván FIscher_Ueberraschungskonzert_Credit_Thomas_Rosenthal (3)

Immer wieder gab es im Lauf der Jahre musikalische und menschliche Situationen, in denen er uns mit seiner Spontanität, seiner Offenheit und seinem Humor überrascht und gerührt hat. Zum Beispiel nach einem Konzert mit Geigerin Patricia Kopatchinskaja, Artist in Residence der Saison 2016/17:

„Patricia saß am Bühnenrand, für Iván Fischer war ein Klavier hereingerollt worden. Sie spielten Ragtime, Tango und Bossa Nova – die Chemie stimmte einfach. In dieser Spontanität und Spielfreude war das einmalig.“ Intendant Sebastian Nordmann

Und auch mit Sportlern „kann“ Iván Fischer, wie sich Anfang 2016 bei einer gemeinsamen Kampagne mit Hertha BSC und ihrem Cheftrainer Pál Dardai herausstellte: Die ungarischen Landsmänner hatten sofort einen ausgezeichneten Draht.

Sitzordnungen sind bei Iván Fischer nicht automatisch „gesetzt“ –  oft hat er für seine eigenen Klangvorstellungen etwa einzelne Bläser nach vorne zwischen die ersten Streicherpulte geholt oder in der am Haus als „Iván-Fischer-Aufstellung“ bekannten Formation die imposant auf dem obersten Podest aufgefächerten Kontrabässe das Konzerthausorchester regelrecht umarmen lassen. Und warum soll der Chor Beethovens Ode „An die Freude“ nicht aus dem Parkett heraus singen und so augenfällig machen, dass die darin ausgedrückten Gefühle mitten unter uns ausbrechen können? Dieses ungewöhnliches Stilmittel begeisterte Publikum und Mitwirkende bei seiner Interpretation der 9. Sinfonie im Mai 2018.

Dirigent, Mensch und Humanist

Am 18. August 1989 dirigierte Iván Fischer das Budapest Festival Orchestra bei einem Konzert in seiner Heimatstadt, zu dem er 400 aus der DDR geflüchtete Menschen einlud. Nach diesem Impuls gelang vielen von ihnen beim Paneuropäischen Picknick am Tag darauf die Flucht von Ungarn nach Österreich. Auch am Abend der Saisoneröffnung 2015/16 am 4. September 2015 wurde deutlich, dass Iván Fischer sich immer der Menschlichkeit verpflichtet fühlt. Angesichts der besorgniserregenden Situation zahlreicher in Ungarn festsitzender Geflüchteter wandte er sich in einem humanitären Appell an die Öffentlichkeit.

Am 1. März 2016 gaben Iván Fischer und das Konzerthausorchester gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle und der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim ein kostenloses Willkommenskonzert für Geflüchtete und Helfer*innen in der bis auf den letzten Platz gefüllten Philharmonie.

Nicht weniger beeindruckend waren Konzerte für autistische Kinder und ihre Familien, die Iván Fischer gemeinsam mit dem Konzerthausorchester konzipierte. Wichtig war ihm, den durch Autismus sogar innerhalb der Familie isolierten Kindern eine Möglichkeit zu bieten, etwas zusammen mit ihren Geschwistern zu erleben, was für alle Kinder wertvoll ist.

Konzerthaus Berlin 2014-2015 Photo: Marco Borggreve

Wir wünschen ihm und uns zahlreiche bewegte wie ruhige musikalische Momente und freuen uns auf viele weitere Saisons mit unserem Ehrendirigenten Iván Fischer!

von Annette Zerpner

Fotocredit: Marco Borggreve (Headerfoto, Patricia Kopatchinskaja, Mittendrin, Casino), Stephan Pramme (Die rote Färse), Uwe Ahrens (Die Zauberflöte), Iko Freese (Die Hochzeit des Figaro), Bettina Stöß (Grüffelo) Markus Werner (Fischer und Pärt), Thomas Rosenthal (Überraschungskonzert), Norbert Möller (Konzerte für autistische Kinder)