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Coffee & Classics

Weltweit trinken wir Menschen ungefähr eine halbe Billion Tassen Kaffee pro Jahr – ganz so viele schafft unser Hornist Yu-Hui Chuang nicht, dafür ist seiner selbst geröstet, mit ganz viel Ruhe gebraut und mit Latte Art verziert. Wir haben mit ihm über sein liebstes Hobby gesprochen.

Womit hat Deine Leidenschaft für Kaffee angefangen?

Die hat angefangen, als ich nach Deutschland gekommen bin und so viele verschiedene Arten entdeckt habe. Sie schmecken ja alle unterschiedlich – beim Eiskaffee hat man zum Beispiel neben der bitteren eine süße Vanillenote. In meinem Probejahr hier wollte ich außer Musik noch etwas weiteres Kreatives machen und habe mir meine erste Kaffeemaschine gekauft. Dann ist es richtig losgegangen mit meiner Leidenschaft für Latte Art. Das ist eine Kunstform für Auge und Geschmackssinn. Wenn ich einen Kaffee serviert bekomme, der nicht nur gut schmeckt, sondern auch schöne Latte Art hat, kriege ich gleich doppelt gute Laune. Das ist der größte Genuss!

Wenn Yu-Hui selbst Latte Art macht, wird das Ergebnis natürlich ziemlich musikalisch!

Hand auf Herz: Startet dein Tag auch erst richtig nach dem ersten Kaffee?

Ich bin eigentlich nicht koffeinabhängig und werde morgens schnell wach. Zum Frühstück trinke ich zum Beispiel gern Tee. Eine Tasse Kaffee gehört für mich in den Nachmittag, wenn ich Zeit zum Ausruhen brauche. 

Kann man auch zu viel davon trinken?

Klar! Die tägliche Koffeindosis sollte nicht zu hoch sein. Aber grundsätzlich ist Kaffee ein gesunde Sache. Er enthält Antioxidantien und kann das Diabetesrisiko senken. Am wichtigsten ist: Kaffee macht glücklich!

Welche Zubereitungsweise magst Du am liebsten – und was ist gut für’s Hornspielen?

Ich trinke sehr gern „Flat white“ – mit einem schönen Latte Art-Motiv. Hat der Kaffee eine ausgewogene Konsistenz und einen reifen Nachgeschmack, spielt man danach auch bestimmt gut Horn!   

Seine Kaffee-Kreationen teil Yu-Hui auf Instagram unter dem Hashtag #mrchuangcoffee

Warum röstest Du Deine Bohnen selbst?

Aus Freude! Mit Latte Art und Kaffeeröstung kann man sich ein Leben lang beschäftigen. Hochwertige rohe Bohnen beziehe ich meistens aus Südamerika, Afrika oder Asien. Von Jahr zu Jahr sind die Ernten unterschiedlich, es gibt verschiedene Röstungen – das ist so vielfältig und spannend! 

Hast du einen Tipp, wie man seinen eigenen Kaffee zuhause ein bisschen besser machen kann?

Unbedingt frisch geröstete Bohnen nehmen. Wichtig ist außerdem eine Waage, um genau abzumessen, wieviel Wasser und wieviel Pulver man verwendet. Geduld ist natürlich auch wichtig. Und man sollte die Zeit genießen, in der man den Kaffee zubereitet. Dann wird er auf jeden Fall besser!

Für alle, die sich daran ein Beispiel nehmen möchten: So macht Yu-Hui den perfekten Kaffee!

Und was fehlt noch zum perfekten Kaffeegenuss? Musik!

Der perfekte Coffee-Soundtrack enthält Musik, die ich liebe – natürlich für mein Instrument, das Horn, und andere Instrumente, die ich sehr mag. Die Reihenfolge der Stücke habe ich so gewählt, dass man sich zwischen Spannung und Entspannung bewegt: Schumanns Adagio ist eine unglaublich zarte Musik, um den Kaffee vorzubereiten. Mit dem Allegro wird es dann spannend. Beim Kochen steigert sich die Energie. Rachmaninoffs Espressivo bringt den vollen Geschmack. Den fabelhaften Nachgeschmack genießt man in aller Ruhe mit Bach. Im Anschluss wird die Musik noch ein bisschen abenteuerlustig, mit Mahlers Nachtmusik. Der überraschende Walzer von Chopin bringt einen vollends in Stimmung, bis man den Kaffee beim emotionalen Horn-Konzert von Glière noch einmal auffüllt. Am Ende steht die schöne Estrellita, und der Abend kann beginnen.

von: Luisa Aha und Annette Zerpner

Fotos: Yu-Hui Chuang