Konzerthausorchester

Himmel, Erde, Meer

Im eigenen Biotop fühlt man sich zu Hause – Geigen, Bratsche und Cello finden sich zum Quartettspiel, Holzbläser und Horn bilden ihr Bläserquintett. Manchmal aber „funkt“ es musikalisch zwischen Angehörigen unterschiedlicher Instrumentengruppen. Solo-Es-Klarinettistin Alexandra Kehrle und Bratschist Ernst-Martin Schmidt wurden buchstäblich zwischen Tür und Angel inspiriert, gemeinsam Kammermusik zu machen. Am 2. Februar um 11.00 Uhr sind sie mit Pianist Florian von Radowitz in einem Matineekonzert im Kleinen Saal zu erleben.

Was zieht Klarinette und Bratsche zueinander?

Alexandra und Ernst (lachend): Die Spieler!

Ernst: Die Garderoben von Bratschern und Holzbläserinnen liegen im Konzerthaus direkt nebeneinander, und wir beide treten mindestens einmal am Tag exakt zur selben Zeit hinaus auf den Gang. Irgendwann haben wir uns gesagt: „Wir haben wirklich den gleichen Puls – wir müssen Kammermusik machen.“

Eure Instrumentenkombination hat viele Komponisten inspiriert – angefangen bei Mozart und seinem „Kegelstatt-Trio“ von 1786, das Euer Programm eröffnet. Sind sie besonders nah verwandt?

Alexandra: Es wirkt immer etwas komisch, wenn man sagt, dass Klarinette und Bratsche beide Instrumente der Mittellage sind. Aber so ist es, und beide klingen warm.

Ernst: Ich finde, dass unter allen Holzblasinstrumenten das Englischhorn der Bratsche am ähnlichsten ist – aber das wäre dann zu viel des Gleichen! Die Klarinette hebt so leichtfüßig ab mit ihrem durchlässig-leuchtenden Ton. Das Bild, das bei mir entsteht, wenn ich Alexandra spielen höre, ist ein großer blauer Frühlingshimmel.

Alexandra: Und die Bratsche erdet uns. Sie hat diese vielfältigen Erdtöne.

Ernst: Gleichberechtigt in diesen Kosmos gehört natürlich auch noch das Klavier. Als ich zu Beginn unserer Proben vor dem Flügel stand, hatte ich vor allem bei den Stücken von Max Bruch das Gefühl, hinter mir wogt ein ganzes Meer.

Eine schöne poetische Beschreibung.

Ernst (lacht): Aber ob Mozart das zum Beispiel auch so gesehen hat, weiß ich leider nicht. Der Überlieferung nach hat er ja seine Kegelbrüder mit dem Trio bedacht, daher der Name „Kegelstatt-Trio“.

Inwiefern unterscheidet sich das Spielen „gemischter“ Kammermusik vom Musizieren in einem Streichquartett oder Bläserquintett?

Ernst: Bei Streichinstrumenten sieht man die Bogenführung und weiß dann beispielsweise ganz genau, wann der letzte Ton kommt. Die Klarinette dagegen kann so unhörbar einsetzen – auf einmal ist sie da!  Ich hatte den Impuls, zu gucken, was die anderen für Bogenstriche machen. Aber in diesem Ensemble gibt es weder Geige noch Cello. Dass ich bei den Strichen die alleinige Verantwortung, aber auch alle Freiheit habe, macht das Spielen mal wohltuend anders.

Alexandra: Ich musste nur ganz selten ansagen, dass ich an einer bestimmten Stelle atmen möchte – auch nicht öfter, als ich das in einer Bläserkammermusik tun müsste. Wir waren von Anfang an schon sehr aufeinander eingeschwungen.

Vertauschte Rollen – wer spielt hier eigentlich was?

Michael Vogt ist nicht nur Tubist und damit Euer Kollege im Konzerthausorchester Berlin, sondern auch Komponist. Er hat Euch ein „Marien-Trio – zum Fest Mariä Lichtmess“ geschrieben. An diesem Tag, dem 2. Februar, wurden früher traditionell die Kerzen für das ganze Jahr geweiht, damit sie Unheil abwehren. Gibt es eine Geschichte dahinter?

Alexandra: Eigentlich war es eine spontane Eingebung, zu fragen, ob ihn das Konzertdatum 02.02.2020 und der christliche Feiertag zu einem Stück inspirieren. Nach einiger Zeit hat er Feuer gefangen. Er schreibt dazu, er habe lange nachgedacht, dann entstand das Stück wie von allein. Es fügt sich jedenfalls wunderbar in den Ablauf des Konzerts, und wir freuen uns sehr auf diese Uraufführung.

Ernst: Mein Ohrwurm nach unseren Proben ist nicht Mozart, nicht Bruch und nicht Françaix – sondern Micha Vogt!

von Annette Zerpner

Fotos von Luisa Aha

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