„Sounds of Iceland“ – Islandfest, Allgemein

Wirklich Zuhause

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Ob Harpa in Reykjavík oder Konzerthaus am Gendarmenmarkt, unser diesjähriger Artist in Residence Víkingur Ólafsson fühlt sich – nicht nur musikalisch – an beiden Orten zuhause. Wir haben mit ihm über die Highlights seine Residency gesprochen.

Wie hast du dich auf deine Zeit in Berlin vorbereitet?

Wenn man eine Residency beginnt, sollte man an diesem Ort wirklich zu Hause sein, finde ich. Beim Konzerthaus Berlin fällt mir das leicht, denn Berlin ist nicht nur eine ungeheuer interessante Stadt, sondern auch emotional ein ganz besonderer Ort für mich: Ich bin „made in Berlin“. Als ich klein war, haben meine Eltern immer über ihre Zeit in der Stadt gesprochen, und wir sind oft hier gewesen. Ich erinnere mich, dass wir in Island vor Freude geweint haben, als die Mauer fiel. Durch meine Residency fühle ich mich noch mehr als Berliner.

Was fasziniert dich so an Bach?

Seine Mitmenschen hielten Johann Sebastian Bach vor allem in seinen letzten Lebensjahren für den altmodischsten Komponisten überhaupt. Alle anderen komponierten im klassischen Stil, nur er schrieb immer weiter barocke Fugen. Später erschien das allen, von Beethoven über Brahms bis Schönberg, als zukunftsweisend. Bach gilt meine große lebenslange Leidenschaft. Er zeigt deine gesamten Stärken und Schwächen, denn es gibt keine Hinweise, wie man ihn spielt. Man kann nur raten. Aber vielleicht könnte nicht einmal er selbst alle Fragen beantworten.

Víkingur bei unserer Saisonvorstellung im Mai

Du spielst im Januar ein zweites Rezital mit Rameau und Debussy…

In diesem Konzert möchte ich das handwerkliche Können und die barocke Seite Debussys ebenso wie Rameaus zukunftsweisende Visionen beleuchten. Wie beide war auch Modest Mussorgsky, den ich ebenfalls in diesem Programm spiele, von der Idee des Malens mit Klängen besessen.

Worauf freust du dich in dieser Saison besonders?

Darauf, im wunderbaren Großen Saal zu spielen. Egal, welche Größe ein Saal hat, wenn man allein mit dem Publikum ist, wird jedes Rezital zum Hauskonzert. Auch auf die Arbeit mit Christoph Eschenbach freue ich mich enorm. Er wird 80 im nächsten Jahr und probiert mit großer Begeisterung weiter Neues aus. Ich hoffe, dass wir gemeinsam mit dem Konzerthausorchester Berlin während meiner Residency zu einer musikalischen Familie werden. Musik sollte immer eine Mischung aus Vergangenheit und Zukunft sein, das Repertoire ausweiten und zugleich dem Publikum das Gefühl geben, ein bekanntes Stück zum allerersten Mal zu hören. Ich bin glücklich, für dieses Unternehmen hochgeschätze Kollegen und Freunde wie Bariton Florian Boesch und Klarinettist Martin Fröst an meiner Seite zu haben.

von Annette Zerpner

Foto: Ari Magg

Tipp

Auch bei unserem Islandfest „Sounds of Iceland“ vom 14. bis 17.11.2019  steht unser Artist in Residence als Solist mit dem Iceland Symphony Orchestra auf der Bühne. Am Pult steht Komponist und Dirigent Daníel Bjarnasson, von dem ein eigens für Víkingur geschriebenes Klavierkonzert erklingt.

Biografie

Leidenschaftliche Musikalität, explosive Virtuosität und intellektuelle Neugier zeichnen den 1984 in Reykjavík geborenen Pianisten Víkingur Ólafsson aus, der in seiner Heimat Island alle bedeutenden Preise erhalten und 2008 die New Yorker Juilliard School absolviert hat. Seitdem begeistert er das Publikum in den großen Konzertsälen der Musikmetropolen mit Soloprogrammen und als Solist mit Orchestern wie Los Angeles Philharmonic, Orchestre Philharmonique de Radio France, Philharmonia Orchestra und Konzerthausorchester Berlin. Seit 2012 ist Víkingur Künstlerischer Leiter des von ihm gegründeten „Reykjavík Midsummer Music“-Festivals, von 2016 bis 2018 auch des schwedischen Festivals „Vinterfest“. Bisher hat Víkingur sechs Klavierkonzerte uraufgeführt. Er arbeitete mit Komponisten wie Philip Glass, Mark Simpson und Daníel Bjarnason sowie Künstlern anderer Disziplinen zusammen, zu denen der Bildhauer und Konzeptkünstler Roman Signer, der Animations- und Medienkünstler Lillevan oder der Digitalkünstler Yann Malka zählen. Musikalische Partner sind etwa die Geiger Sayaka Shoji und Pekka Kuusisto, Cellist István Várdai, Klarinettist Martin Fröst und Sängerin Björk.