Allgemein, Hommage an GIdon Kremer

Mieczysław Weinberg

Weinberg working on romances on the texts by Julian Tuvim. In front of him - The Collected Poems by J.Tuvim

„Seine tragische Geschichte und die emotionale Aussage seiner Werke berühren mich zutiefst.“ – Wer war der Komponist Mieczysław Weinberg (1919 –1996), mit dem sich Gidon Kremer seit Jahren beschäftigt und dem er seine Hommage bei uns mitgewidmet hat?

Wunderkind und Verfolgter

Mieczysław Weinberg (1919 –1996) stammt aus einer jüdischen Familie, die sich 1903 vor Pogromen aus der heutigen Republik Moldau nach Warschau gerettet hatte. Sein Vater war Komponist und Musiker, Mieczysław ein Wunderkind am Klavier. Als 20-jähriger Konservatoriumsabsolvent floh er vor den einmarschierenden Deutschen nach Weißrussland, später nach Usbekistan, wo er sich als Operkorrepetitor durchschlug. Seine Eltern und Schwester wurden in der Shoah ermordet.

Weinberg und Schostakowitsch mit Mitgliedern des Beethoven Quartet

Freundschaft mit Schostakowitsch

Dimitri Schostakowitsch war von Werken des 13 Jahre jüngeren Komponisten so beeindruckt, dass er ihn 1943 mit Hilfe einer Aufenthaltsgenehmigung nach Moskau holte und ihm in materieller Hinsicht auch später oft geholfen hat. Sie wurden enge Freunde und waren immer auf dem Laufenden, was das hoch geschätzte Schaffen des anderen betraf.

Terror unter Stalin

Ab 1948 setzte die Sowjetführung Komponisten verstärkt unter Druck, Musik „fürs Volk“ zu liefern. Als nicht dem sozialistischen Realismus entsprechend landeten unter anderem Werke von Schostakowitsch, Prokofjew und Weinberg auf einer schwarzen Liste. Im selben Jahr ermordete der Geheimdienst Weinbergs Schwiegervater, einen bekannten jüdischen Theaterdirektor. Dass Weinberg im Februar 1953 selbst verhaftet wurde, war einer antisemitischen Intrige gegen einen Verwandten seiner Frau geschuldet. Schostakowitsch setzte sich an höchster Stelle für ihn ein, das Leben gerettet hat ihm jedoch Stalins Tod im Monat darauf.

Umfangreiches Werk

 „Er hatte ein tragisches Leben in 150 Partituren und war einer der verkanntesten großen Komponisten des Jahrhunderts“, bilanziert Gidon Kremer Mieczysław Weinbergs Existenz. Der hat nie aufgehört, Musik zu schreiben: 22 Sinfonien, 4 Kammersinfonien, 17 Streichquartette, 28 Sonaten, 7 Opern, zahlreiche Werke für Gesang und für Solo-Instrumente, aber auch Film- und Hörspielmusik  –  die Weinberg-Renaissance der letzten Jahre hat dazu beigetragen, dass vieles entdeckt und aufgeführt wurde. Neben Gidon Kremer ist dies maßgeblich der International Weinberg Society zu verdanken, deren Ehrenpräsidentin Schostakowitsch-Witwe Irina ist.

von Annette Zerpner

Im Programm

Während unserer Hommage an Gidon Kremer erklingen einige ausgewählte Werke von Mieczysław Weinberg. Zum Beispiel beim Rezital mit Gidon Kremer und Martha Argerich am 20.10. oder am 24.10. mit der Kremerata Baltica und Mirga Gražinytė-Tyla. Das Konzerthausorchester und Christoph Eschenbach spielen gemeinsam mit Gidon Kremer Weinbergs Violinkonzert am 25., 26. und 27.10.. Zum Abschluss widmen sich die beiden „Chronicle of Current Events“ am 26.10. und 27.10. noch einmal der Freundschaft zwischen Schostakowitsch und Weinberg und dem Schicksal Kunstschaffender in totalitären Regimen.

Photos of Weinberg provided by Tommy Persson; copyright: Olga Rakhalskaya.