Allgemein, Japan 2019, Konzerthausorchester

Acht Gründe, warum wir Japan lieben

Einige Musiker*innen des Konzerthausorchesters Berlin waren zum ersten Mal in Japan andere zum 40. Mal. Die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Japaner hat uns gerührt. Wir fühlten uns sicher und geborgen. Wir kamen aus dem Staunen nicht raus. UNSERE Liebeserklärung an Japan.

Die japanischen Fans

Das japanische Publikum liebt klassische Musik. Schon in der Grundschule werden Kinder mit der westlichen Klassik vertraut gemacht und lernen Instrumente wie Geige oder Klavier. Sehr aufmerksam verfolgen Besucher unsere Konzerte und belohnen uns mit tosendem Applaus. Besonders freuen wir uns über japanische Fans, die am Ausgang auf uns warten, um Autogramme zu bekommen oder sich bei uns bedanken. Auch wir sagen: „arigatō“ -ありがとう – Danke!

Schnell, schneller, Shinkansen

Während einer Tournee verbringen wir viele Stunden in Flugzeugen, Bussen und Bahn. In Japan ist der öffentliche Transport schnell, sauber und  pünktlich. Besonders lieben wir den Shinkansen. Der japanische High-Speed-Zug sieht nicht nur gut aus, er fährt im Regelbetrieb bis zu 300 km/h schnell. Seine Pünktlichkeit ist legendär. Verspätet sich ein Lokführer um mehr als 15 Sekunden, muss er eine schriftliche Stellungnahme abgeben. Unser Tipp: Kauf Dir am Bahnhof oder im Zug eine leckere Bentobox.

Sushi ist in Japan eine Offenbarung

Die japanische Küche hat viel mehr zu bieten als Sushi. Trotzdem gehört Sushi zum Pflichtprogramm einer Japanreise.

Beim Sushi-Essen könnt ihr euch als echte Kenner der japanischen Esskultur erweisen oder in alle möglichen Fettnäpfchen treten. No Go Nr 1: Bitte nie nach Wasabi fragen. Der Sushimeister würzt schon bei der Zubereitung mit der perfekten Dosis Wasabi. No Go Nr 2: Nie den Reis in die Sojasauce tunken – immer nur den Fisch oder das Noriblatt. Und noch ein Fauxpas: Den eingelegten Ingwer (Gari) nicht auf das Sushi zu legen. Er wird nämlich zwischen den einzelnen Sushi-Bissen verzehrt und soll den Geschmack neutralisieren. UND es ist voll ok, Sushi mit den Fingern zu essen.

 Origami für den Frieden

Eine japanische Legende besagt, dass derjenige einen Wunsch frei hat, der 1.000 Kraniche faltet. Als die Atombombe 1945 in Hiroshima niederging, war das Mädchen Sadako Sasaki zwei Jahre alt. Neun Jahre später erkrankte sie an Leukämie, wie so viele Überlebende der Kriegskatastrophe. Sadako legte ihre ganze Hoffnung in das Falten von 1.000 Papierkranichen. Sie starb mit 12 Jahren, bevor sie ihr Ziel erreichen konnte. Sadakos Geschichte ging um die Welt. Noch immer werden zigtausende Kraniche als Symbol für Hoffnung und Frieden nach Hiroshima geschickt.

Maskottchen-Mania

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Sie sind flauschig & bunt, haben große Augen und sind mehr als 20 Milliarden Euro wert. So viel Umsatz machen Maskottchen („yuru-kyara“ zu Deutsch „entspannte Figuren“) pro Jahr in Japan. Ihr denkt an Freizeitparks und Sportmannschaften? In Japan zeigen sich Regionen, Parteien sowie Unternehmen mit ihrem Maskottchen von ihrer „süßesten“ Seite. Sie machen Werbung, unterhalten kleine Kinder oder winken bei offiziellen Anlässen in die Kamera. Da wären zum Beispiel Prinz Pickles und seine Freundin Parsley, die Maskottchen des japanischen Verteidigungsministeriums. Madori-kun, ein Wrestler mit Grundrissplan-Gesicht, repräsentiert sehr anschaulich ein Immobilienunternehmen. Kanzou-kun, eine Mischung aus Elefant und Leber, macht auf Hepatitis-Tests aufmerksam.

Habt Ihr Ideen für ein Maskottchen für unsere nächste Japan-Tournee? Unser goldener Delphin Melos gekreuzt mit einer Geige?

Kyoto – tausend Tempel und Schreine, Erfolg und vielleicht sogar die große Liebe

Tausende buddhistischer Tempel und Shintō-Schreine verstecken sich in Kyoto. Die alte Kaiserstadt der Heian-Zeit gilt als kulturelles und spirituelles Zentrum Japans, das Besucher aus aller Welt lockt. Wie durch einen orangenen Tunnel läuft man durch die unzähligen torii des Shinto-Schreins Fushimi Inari Taisha. Von der Holzterrasse des Tempels Kiyomizu-dera, die in 13 Metern Höhe über einem Berghang errichtet wurde, genießt man die tolle Aussicht. Außerdem kann man im Kiyomizu-dera für die Gesundheit trinken und den Erfolg beten (was wir natürlich getan haben). Und auch für die Liebe gibt es eine ganz besondere Methode. Es heißt, wer es schafft von einem der beiden „Liebessteine“ zum anderen zu gehen, wird die wahre Liebe finden (wir werden berichten).

24/7 Getränkeautomaten

Japan ist das Land der Schreine und Kimonos, Sumoringer und…Getränkeautomaten? Ja genau! Man findet sie jeder Ecke an allen möglichen und unmöglichen Orten. Für 100 bis 190 Yen bekommt man alles von Wasser bis Cola und manchmal auch eine warme Maissuppe für den kleinen Hunger. Kurz vor der Probe oder beim Sightseeing – wir haben sie zu schätzen gelernt. Unser Tipp: Neben den Automaten stehen die sehr seltenen Mülleimer, wo man seinen Müll loswerden kann, den man gefühlt stundenlang mit sich rum trägt, los wird. Japaner nehmen ihren Unrat nach Hause. Oder machen erst gar keinen…

Omikuji – Lose für das Glück

Man findet Omikuji in Shinto-Schreinen und buddhistischen Tempeln. Auf den Papierstreifen stehen Wahrsagungen geschrieben, die sich auf Gesundheit, beruflicher Erfolg oder Partnerschaft beziehen. Sie können allerdings sehr unterschiedlich ausfallen: Großes Glück (dai-kichi), Mittleres Glück (chū-kichi), Kleines Glück (shō-kichi), Glück (kichi), Halbes Glück (han-kichi), Beinahe-Glück (sue-kichi), Beinahe-Kleines Glück (sue-shō-kichi), Pech (kyō), Kleines Pech (shō-kyō), Halbes Pech (han-kyō), Beinahe-Pech (sue-kyō), Großes Pech (dai-kyō).

Mit dem „großen Segen“ kann man sich als Glückskind fühlen. Wenn jedoch die Vorhersage schlecht ist, knotet man das Los an ein dafür vorgesehenes Gestell. Damit hofft man, dass das Unglück festgeknotet an dem Ort bleibt und sich nicht an die eigenen Fersen heften kann. Rund um berühmte Schreine sind die Bäume oft ganz weiß von den vielen Zetteln, die Besucher dort angebunden haben. Wir mussten zum Glück nicht so viel knoten.

Fotos: Franziska von Brück, Norbert Möller, Cehie Kim, Yu-Hui Chuang, Ralf Forster