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Fontane im Konzerthaus

Theodor Fontane

Effi Briest. Irrungen, Wirrungen. Frau Jenny Triebel. Daran denken wir, wenn wir den Namen Fontane hören. Aber habt ihr gewusst, dass Theodor Fontane auch ein Theaterkritiker war? Und zwar ein ganz kontroverser! Pünktlich zum Fontane-Jahr 2019 blicken wir zurück auf die viele Zeit, die er im ehemaligen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt verbracht hat – genauer gesagt auf Parkettplatz 23.

Nach einem guten Jahrzehnt als Apotheker entschloss sich Fontane, den Beruf zu wechseln und als freier Schriftsteller zu arbeiten. 20 Jahre lang schrieb er für verschiedene Zeitungen und begann 1870 seine Karriere als Theaterkritiker.

Vom Parkettplatz 23 im Königlichen Schauspielhaus schaute er sich die Theaterstücke an. Am 17. August 1870 war Schillers Wilhelm Tell das erste Werk, das Fontane rezensierte.

„Wilhelm Tell enthält kaum eine Seite, gewiss keine Szene, die nicht völlig zwangslos auf die Gegenwart, auf unser Recht und unseren Kampf gedeutet werden könnte.“

Diese Kritik war ziemlich positiv, aber Platz 23 wurde schnell als sein „Kritikerthron“ bekannt, weil Fontane nicht davor zurückscheute, seine ehrliche, oft ungeschminkte Kritik zu veröffentlichen.

Th.F. – Theater-Fremdling?

Seine Meinung war allerdings eher unpopulär, denn konventionelle Inszenierungen gefielen ihm überhaupt nicht. Er bevorzugte einen Stil, den er als „glaubwürdige Darstellung mit Natürlichkeit und Gefühlswahrheit“ beschrieb. Dass Fontane weder Theater noch Literatur studiert hatte, machte ihn unter den anderen Kritikern zusätzlich unbeliebt. Sie spotteten darüber, dass er seine Rezensionen Th.F. signierte, und nannten ihn „Theater-Fremdling“. Statt sich zu ärgern, fand Fontane den Witz lustig.

Gendarmenmarkt Berlin 1900

Gendarmenmarkt ca. 1900 © Konzerthaus Archiv

Eine Operette ganz ohne Musik

1851 rezensierte Fontane einmal die Strauß’sche Operette „Die Fledermaus“, ohne es zu wissen. Man kann ihm an der Stelle keinen Vorwurf machen, denn er schaute die Operette ganz ohne Musik, nämlich als Theaterstück. Genau genommen besuchte Fontane das Lustspiel „Das Gefängnis“ von Roderich Benedix im Schauspielhaus. Das 1851 hier uraufgeführte Lustspiel wurde später ins Französische übersetzt und 1872 in Paris aufgeführt. Dort sah es ein Wiener Theaterdirektor, der das Stück wieder ins Deutsche übersetzen ließ und Johann Strauß gab. Der komponierte seine weltberühmte Operette daraus, und der Rest ist Geschichte!

„Schlecht ist schlecht…“

Wie schon erwähnt, schrieb Fontane oft offene, auch negative Kritiken sogar über bekannte Schauspieler und Schauspielerinnen. So zum Beispiel über Karl Gutzkow: „Schlecht ist schlecht, und es muss gesagt werden.“ Und über die berühmte Clara Ziegler: „Ihr ganzes Auftreten wirkt wie die Treppenhausbilder im Museum.“

Clara Ziegler als Medea

Clara Ziegler als Medea

Haben wir Euer Interesse geweckt?

Dann kommt zu einer unserer Sonderführung zum Fontane-Jahr in Konzerthaus! Zwar können wir Euch Fontanes Parkettplatz 23 nicht mehr zeigen (durch den Umbau zum Konzerthaus in den 1980er Jahren hat sich unser Innenraum ja komplett verändert), aber Euch erwarten viele interessante Geschichten rund um und über den berühmten Autor. Außerdem bekommt Ihr einen Eindruck, was sich eigentlich heute hinter unseren historischen Mauern abspielt.

Alle Infos und Tickets findet Ihr hier!

Von: Robyn Meahl

Fotos: wikimedia commons (Titelfoto, Clara Ziegler), Konzerthaus Archiv