#musicmonday, Allgemein

#musicmonday no6

Am #musicmonday bekommt Ihr von uns die Extraportion Musikwissen! Diese Woche nimmt Euch unser Dramaturg Andreas Hitscher mit in die Welt der Kammermusik und deren Königsdisziplin: das Streichquartett.

#musicmonday

„Streichquartett“, stellte der Musikwissenschaftler Ludwig Finscher einst in der vielbändigen Wissenssammlung „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“ fest, „ist im weitesten Sprachgebrauch jede Komposition für vier solistische Streichinstrumente, im eingebürgerten engeren Sinne ein mehrsätziges Werk für zwei Violinen, Viola und Violoncello.“ So wahr wie unvollständig! Denn Streichquartett ist Miteinander und Diskurs, ist Vielfalt und Konzentration, ist „eine Welt im Kleinen“ … Es begnügt sich – glücklicherweise – schon lange nicht mehr in der von Goethe behaupteten Unterhaltung vier „vernünftiger“ Leute. Vernunft klingt ja irgendwie auch nach Langeweile – Streichquartett aber kann intensiv und aufregend sein!

Ganz nah dran

Die Intimität der Kammermusik mag freilich auch eine gewisse Scheu wecken: Man berauscht sich nicht in großen Sälen am Klang eines großen Orchesterapparates, sondern ist – in kleinerem, engerem Rahmen zumeist – den Interpreten ganz nah. Vielleicht hießt es, Schwellenängste zu überwinden, um zu diesem unmittelbaren Kontakt bereit zu sein, sich als Hörer in das Spiel hineinzubegeben. Wer die Scheu ablegt, findet aber gerade in der vertrauten, emotionalen Anteilnahme unvergleichlichen Genuss. Und so tradiert, der „Zeit enthoben“, das große Repertoire mitunter auch ist, entfaltet es sich doch immer wieder neu und individuell – dank der Interpreten von heute.

Große Namen im kleinen Rahmen

„Streichquartett International“, die Reihe, die seit 1996 im Kleinen Saal des Berliner Konzerthauses stattfindet, ist natürlich auch ein Podium für die großen Namen, die „Geschichte atmen“: Das Hagen Quartett aus Salzburg beispielsweise hat es nicht mehr weit bis zu seinem 40-jährigen Jubiläum; das Juilliard Quartett feierte hier 2017 seinen 70sten, genau wie 2015 das Borodin Quartett; und das Takács Quartet, das vor wenigen Monaten unsere Hörer wunschlos glücklich machte, ist mittlerweile auch schon in seiner 45. Saison.

Zukunft hoch vier

Aber immer wieder sind auch Ensembles zu Gast, die den Staffelstab weitertragen, um deren Begeisterung und deren Fähigkeit, uns zu begeistern, man erst seit wenigen Jahren weiß. Solch ein Ensemble ist das Aris Quartett, das am 14. Februar in „Streichquartett International“ spielt. Hubert Buchberger, Kammermusikprofessor an der Frankfurter Musikhochschule, führte 2009 vier Jungstudenten, die nebenher noch zur Schule gingen, für ein Projekt zusammen: Eine „Casting-Band“, wie der Bratschist Caspar Vinzens sagt, aus Jugendlichen, die sich vorher überhaupt nicht kannten, die dann aber vier Jahre später beschlossen, das Quartettspiel zu ihrem Beruf zu machen: „Für mich ist das Quartettspielen das Größte, und ich würde es immer wieder so wählen“, schwärmt die Geigerin Anna Katharina Wildermuth. Auszeichnungen haben sie seither viele erhalten, beim ARD-Wettbewerb 2016 etwa den Zweiten Preis und gleich vier Sonderpreise. Am wichtigsten dabei war wohl der Publikums-Preis, denn die Qualität der Interpretation beweist sich am besten doch immer in der Konzertsituation.

So scheint es ganz passend, dass das Quartett im letztem Herbst in das Programm „New Generation Artists“ der BBC aufgenommen wurde – mit Rundfunkproduktionen, vor allem aber mit Konzerten bei den wichtigsten britischen Festivals und in Konzertsälen wie etwa der Londoner Wigmore Hall. Und auch diese Meldung passt dazu: Der Internationale Streichquartett-Wettbewerb in Bordeaux, der in diesem Jahr wieder Anfang Juni stattfindet, hat von dem Ausleseverfahren der typischen Wettbewerbsrunden unter „Labor-Bedingungen“ Abstand genommen und setzt an deren Stelle reale Konzerte: Jedes der von einem Komitee ausgewählten sechs Ensembles spielt drei Konzerte. Mit dabei, wen wundert’s, das Aris Quartett. Wir wünschen viel Erfolg.

Übrigens: Wer hinter „Aris“ eine mythologische Figur oder ähnliches vermutet, geht fehl. Es handelt sich schlicht um eine Kombination aus den jeweils letzten Buchstaben der Vornamen der Mitglieder. Und da es – Quartett-gemäß – nun einmal nur vier Buchstaben sind, muss man kein wirklicher Scrabble-Meister sein, um auf die beiden halbwegs denkbaren Alternativen zu kommen: „Isar“ und „Sari“. Zumindest geographisch hätte beides auf falsche Fährten gelockt …

Lust bekommen? Das Aris Quartett hört Ihr bei uns am 14. Februar um 20.00 Uhr im Kleinen Saal.

von Andreas Hitscher

Titelfoto: Marco Borggreve