China-Tournee, Konzerthausorchester

Durch den Tournee-Alltag mit dem Konzerthausorchester

Vom Hotel mit dem Bus zum Bahnhof, mit dem Schnellzug in die nächste Stadt und nach kurzer Pause fast jeden Abend in einer neuen Halle ein Konzert spielen – so ein Tournee-Tag in China hat’s in sich!

Die Planung für eine Orchester-Tournee beginnt meist schon zwei bis drei Jahre im Voraus. Soviel Zeit braucht man, um alles zu organisieren. Unsere Orchestermanagerin Heidi Guttzeit hatte auf jeden Fall auch alle Hände voll damit zu tun, dass das Orchester morgens nach dem Frühstück pünktlich in die Busse steigen kann: „Hier in China ist der Verkehr unberechenbar. Auch wenn man die eigentliche Länge der Strecke kennt, wie lange es tatsächlich dauert, kann man nie ganz genau wissen. Jede Fahrt wird so zu einer kleinen Herausforderung.“

Und: Große Menschengruppen bewegen sich langsam, das ist quasi Naturgesetz! Bis sich immer wieder alle versammelt haben, kann es dauern. Und dann sind da noch die zahlreichen chinesischen Sicherheitskontrollen!

Warten, warten, warten…

Schlange stehen kann das Konzerthausorchester inzwischen auf jeden Fall perfekt.

Wenn dann aber alle gut im Hotel angekommen sind, bleibt meist noch ein bisschen Zeit bis zum Konzert. Dass die Musiker sich alle noch ausreichend ausruhen können, ist Orchesterdirektor Ulf Werner besonders wichtig. „Es wird zwar manchmal ein bisschen stressig, aber alle sollen auch immer noch ein bisschen Zeit für sich haben.“

Ausruhen vor der Hauptaufgabe am Abend

Und so üben die einen noch auf ihren Zimmern, andere schlafen, wieder andere entspannen bei einer Jogging-Runde um den Block. Nur die Orchesterwarte, die müssen jetzt schon ran. Denn im Konzertsaal muss alles für den Abend aufgebaut werden. „Zuhause beherrschen wir die Bühnenaufstellung im Schlaf, auf Tournee justieren wir jedes Mal neu.“ erklärt Orchesterwart Zoltan Kovacs-Gokieli. Die Zusammenarbeit mit den chinesischen Kollegen klappt dabei – trotz Sprachbarriere – super.

Wenn dann auch die Musiker in der Halle ankommen, treffen sich alle zur Anspielprobe auf der Bühne. Gemeinsam gewöhnt man sich an den neuen Klang und die neue Umgebung. Die Säle sind zum Teil wirklich riesig und sehr modern, das ist auch optisch ein großer Unterschied zum heimischen Konzerthaus!

Und im Konzert selbst? Das chinesische Publikum ist vielleicht der größte Unterschied. Es ist im Schnitt sehr viel jünger, mit vielen Kindern. Die spielen dann schon mal mit dem Handy, auch geredet und gefilmt wird gern. Unsere Cellistin Viola Bayer findet: „Während des Konzerts ist das für uns sehr ungewohnt, aber die Begeisterung beim Schlussapplaus ist dafür dann auch sehr groß.“

Natürlich hat das Orchester auch ein ganz besonderes Gastgeschenk für das chinesische Publikum im Gepäck – und jetzt alle!

Text: Luisa Aha und Renske Steen

Fotos: Ralf Forster