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Brückenbau statt Wettbewerb

Unser Artist in Residence András Schiff mag keine Musikwettbewerbe und die damit verbundenen Auswahlkriterien. Deshalb hat er die Reihe „Building Bridges“ ins Leben gerufen, die dauerhaftere und persönlichere Verbindungen schaffen soll als ein Wettbewerbssieg. Wir haben mit dem jungen Pianisten Andrei Gologan gesprochen, der die Reihe am 01.10. im Konzerthaus eröffnen wird.

Was bedeutet es für dich, bei „Building Bridges“ dabei zu sein?

Zunächst ist es natürlich eine einmalige Gelegenheit, mit András Schiff in engem Kontakt zu sein. Er spielt selbst sehr viel, ist immer unterwegs und nimmt sich trotzdem Zeit für uns. Von einem Meister wie ihm lernen zu können, ist etwas ganz Besonderes. Außerdem bekommen wir die Gelegenheit, an tollen Orten zu spielen – zum Beispiel einer so unglaublich schönen Spielstätte wie dem Konzerthaus.

Wie schätzt du die Bedeutung von „Building Bridges“ für deine Zukunft ein?

Ich würde sagen, besser geht es nicht für einen jungen Pianisten. Heutzutage ist es schwierig, überhaupt in einer großen Spielstätte auftreten zu können. Auch ein Wettbewerb hilft da manchmal nicht viel. Bei „Building Bridges“ haben wir außerdem die Möglichkeit, ein Programm zu spielen, das wir selbst aussuchen dürfen – eine große Chance!

András Schiff hält ja ohnehin nicht viel von Klavierwettbewerben…

Ich vertrete die gleiche Meinung. Musik ist kein Sport, Kunst ist kein Sport. Man kann sie nicht messen. Seit ein paar Jahren nehme ich schon nicht mehr an Wettbewerben teil und muss es hoffentlich auch nicht mehr tun. Letztlich schaden sie der Kunst eher, denn man muss für sie ein viel zu enges Spektrum erfüllen, dieses oder jenes spielen, was festgelegt ist. Im Gegenteil dazu können wir uns bei „Building Bridges“ aussuchen, was wir spielen möchten. Das ist sehr viel interessanter.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit András Schiff konkret aus?

Ich nehme an seinen Meisterkursen wie dem in Oxford teil. Dabei können wir uns austauschen. Sonst treffen wir uns, wann immer er Zeit hat. In meinem Fall in Salzburg oder in Berlin oder eben jetzt in Bonn. Es läuft dann meistens so, dass ich ihm vorspiele und wir gemeinsam die Stücke besprechen und erarbeiten.

Welche Werke hast du für deine Konzerte ausgewählt?

Es ist ein spannendes Programm – ich liebe es! Ich wollte unbedingt George Enescu unterbringen, weil er wie ich aus Rumänien kommt. Dann sollten drei Fantasien der Wiener Klassik folgen, also Mozart, Beethoven und Haydn und zum Schluss ein Stück von Schumann. András Schiff und ich waren uns von Anfang an einig. Ich finde, es ist ein schönes Programm und sehr persönlich dazu. Ich möchte nicht nur die Hits spielen, die alle kennen.

Andrei Gologan hat bereits bei der Saisonvorschau einen kurzen Ausblick auf sein Konzert gegeben:

 

Über „Building Bridges“

Jede Saison lädt András Schiff drei junge Pianisten ein, die ihm bei seinen weltweiten Meisterklassen oder bei Vorspielen aufgefallen sind und entwickelt mit ihnen jeweils ein individuelles Konzertprogramm. Während seiner Residency am Konzerthaus Berlin sind die drei „Building Bridges“-Musiker der Saison 2018/19 damit bei uns zu hören. Am 01.10.2018 eröffnet Andrei Gologan die Reihe mit Werken von Enescu, der Wiener Klassik und Schubert. Am 06.02.2019 spielt Itai Navon Bach, Beethoven und Brahms und am 13.06.2019 beschließt Yury Shadrin „Building Bridges“ mit Stücken von Beethoven, Brahms und Schostakowitsch.

Mehr zu Andrei Gologan auf seiner Webseite: www.andrei-gologan.at

von Luisa Aha

Titelfoto: Shahriyar Farshid