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Solist, Kammermusiker, Dirigent…und Artist in Residence

András Schiff am Flügel, frontal

Wir freuen uns auf Sir András Schiff – unser neuer Artist in Residence ist einer der großen Pianisten unserer Zeit. Bach und die Meister der Wiener Klassik, aber auch Schumann, Debussy und Bartók sind die lebenslange Leidenschaft des Ungarn. Der „Gipfel der europäischen Musikgeschichte“ ist für ihn der Thomaskantor: „Haydn, Mozart, Beethoven, Bartók – sie kommen alle von Bach.“ Bis er das Konzerthauspublikum am Ende der Saison mit dessen Italienischem Konzert begeistert, präsentiert er viele andere der von ihm geschätzten Meister, und zwar sowohl als Pianist wie als Dirigent. Allerdings braucht sich die Schiff-Gemeinde unter den Klavierenthusiasten keine Sorgen zu machen: Er könne sich zwar vorstellen, mehr zu dirigieren, aber nicht, mit dem Klavierspielen aufzuhören, erklärte er unlängst in einem Interview.

Saisoneinstieg am Hammerklavier

Fürs erste Konzert seiner Residency am 20.09. reist András Schiff mit seinem ausgezeichnet restaurierten Wiener Hammerklavier aus der Zeit um 1820 an, um die Klangkultur und intime Atmosphäre der Schubertiaden in den Kleinen Saal zu bringen – bei solchen zwanglosen Zusammenkünften musikbegeisterter Freunde spielte Schubert auch jene Sonaten, die in diesem Rezital erklingen.

Nachwuchsförderung aus Leidenschaft

Musik sei kein Sport, sagt András Schiff – und rät jungen hochbegabten Pianistinnen und Pianisten, Wettbewerbe eher zu meiden. Für seine internationale Reihe „Building Bridges“ wählt er jedes Jahr drei von ihnen aus, die ihn bei Meisterklassen und Konzerten besonders überzeugt haben und denen er eine „dauerhafte und persönliche Alternative“ auf dem weiteren Karriereweg anbieten möchte. In dieser Saison stellt András Schiff sie auch im Konzerthaus vor. Den Anfang macht der rumänische Mozarteums-Alumnus Andrei Gologan am 01.10., es folgen am 06.02.2019 der in Jerusalem geborene Pianist Itai Navon und am 13.06.2019 Yuri Shadrin aus Russland.

„Ich teile die Vorliebe vieler Leute für Musikwettbewerbe nicht. Musik ist kein Sport, die Beurteilung einer Aufführung ist subjektiv. Unsere kleine Konzertreihe ist der Versuch, ein bisschen an diesem Status Quo zu rütteln. Jedes Jahr werden junge Pianisten eingeladen, ihr eigenes Wunschprogramm zu spielen. Ich hoffe, wir können hier eine kleine Plattform für unsere jungen Musiker schaffen, die dauerhafter und persönlicher ist als Wettbewerbe.“

An der renommierten Kronberg Academy im Taunus leitet Schiff ein „Performance Programme for Young Pianists“, das seinen Namen trägt. Am 17.11. musiziert er jedoch selbst mit sieben herausragenden jungen Studierenden der Fächer Geige, Bratsche und Cello Werke von Schubert, Brahms, Debussy und Beethoven.

András Schiff solistisch

Als Solist mit dem Konzerthausorchester unter Ehrendirigent Iván Fischer spielt Schiff am 14. und 16.12.  beim Auftaktkonzert zur „Hommage an die Wiener Philharmoniker“ das berührende zweite Klavierkonzert von Wahlwiener Johannes Brahms. Und am 15.12. diskutiert der Ungar mit Landsmann Fischer bei einem Gesprächskonzert „Das Ungarische in der Musik“.

Seitenansicht von András Schiffn mit gefalteten Händen vor der Brust

Cappella Andrea Barca

‪Namensgeber der 1999 gegründeten Cappella Andrea Barca ist natürlich niemand anders als ihr Leiter: András Schiff bringt unter diesem humoristischen Halbpseudonym regelmäßig eine Gruppe international konzertierender Instrumentalsolisten zu einem hochkarätigen Kammerorchester zusammen,  dessen Repertoire von Bach bis Bartók reicht. Als Dirigent und Solist am Klavier präsentiert Schiff bei uns am 05.02. ein reines Mozart-Programm.

Auch mit seiner Frau, der Geigerin Yuuko Shiokawa, bleibt unser Artist in Residence dem berühmtesten Wiener Komponisten treu: Am 24.05. stehen vier von Mozarts Violinsonaten auf dem Programm.

„Entweder ist man Musiker oder eben nicht. Man muss ständig aufeinander hören, geben und nehmen. Nur jemand aus der Kammermusik kann diese Funktionen erfüllen.“

Ausklang der Saison

Zum Ausklang der Saison ist der Pianist am 14.06. noch einmal als Solist und Dirigent mit dem Konzerthausorchester zu erleben. Am Flügel mit Bach und Beethoven und am Pult mit Bartóks glänzend instrumentiertem Konzert für Orchester von 1943, dessen fünf Sätze westliche Musiktradition mit ungarischer Volksmusik mischen.

Von Annette Zerpner, Luisa Aha, Josephine Spemann

Fotocredit: Peter Fischli/Lucerne Festival(Titelbild), Nicolas Brodard