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Die Harfe – eine gesellige Exotin

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Unsere Solo-Harfenistin Ronith Mues hat am Instrument ihrer Mutter laufen gelernt, weil man sich an der Säule der Harfe so gut festhalten kann, spielt seit über zehn Jahren im Konzerthausorchester und gibt ihr Wissen heute an ihre eigenen Studierenden weiter. Wir haben mit ihr über die Rolle der Harfe im Orchester, technische Herausforderungen und die wichtige Ensemblearbeit gesprochen.

Was ist für dich das Besondere an der Harfe? 

Natürlich vor allem der Klang, der etwas sehr Beruhigendes und Sphärisches hat und der mich schon mein Leben lang begleitet. Und der Transport! Wenn ich mit meiner Harfe über den Gendarmenmarkt laufe, ziehe ich immer ziemlich viele Blicke auf mich…

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Mich reizt aber auch die technische Herausforderung: Meine Finger formen den Ton direkt auf den Saiten, es gibt keinen Transmitter, wie die Tasten beim Klavier oder die Bögen der Streicher. Hinzu kommt die Arbeit mit den sieben Pedalen, die jeweils drei verschiedene Stellungen haben: Wenn sich zum Beispiel alle in der mittleren Stellung befinden, klingen die Saiten wie die weißen Tasten beim Klavier. Um Halbtöne zu spielen, verkürze oder verlängere ich die Saiten indem ich das jeweilige Pedal nach oben oder unten bewege. Dabei gibt es für alle roten C-Saiten jeweils ein Pedal, mit dem dann die entsprechende Oktave umgestimmt wird. Diese Hand-Fuß-Koordination ist extrem wichtig, denn wenn man mit den Fingern perfekt spielt, aber das falsche Pedal benutzt, hört man das sofort.

Wie fühlt es sich an, meist die einzige Harfe im Orchester zu sein?

Es ist speziell, im positiven wie im negativen Sinne, denn mit der Harfe bist du eher ein Einzelgänger: Du musst alleine zählen, deine Einsätze finden, immer sehr stark auf das Orchester hören. Damit besitze ich natürlich auch eine gewisse Verantwortung. Ich muss selbst dafür sorgen, dass ich folgen kann. Dazu kommt, dass es immer weniger Stellen für Harfen gibt. Der Anspruch an die Bewerber steigt kontinuierlich, weil die Konkurrenz sehr groß ist. Das führt allerdings auch dazu, das die Harfenisten heute technisch auf einem viel höheren Niveau sind, als in früheren Generationen.

Fällt es dir als Professorin an der Musikhochschule Mannheim auf, dass der Druck auch unter den Studierenden größer wird? 

Ja, auf jeden Fall! Viele meiner Studierenden belegen nebenbei noch weitere Fächer, um auf der sicheren Seite zu sein. Man merkt, dass der Druck groß ist, doch als Professorin habe ich die Aufgabe sie so auszubilden, dass sie auf dem Markt Fuß fassen können. Das ist ja das Schöne daran: Ich unterrichte schon lange und mache es wirklich gerne, gerade weil das Niveau inzwischen so hoch ist. Und ich kann dabei meine eigenen Erfahrungen und Tipps weitergeben und diesen spannenden Weg begleiten.

Liegt dir aufgrund dieser Sonderstellung auch die Arbeit im „Horenstein Ensemble“ so am Herzen?

Die Ensemblearbeit ist eine große Bereicherung, denn Kammermusik hat für mich einen sehr hohen Wert, es ist eine sehr edle Art zu musizieren. Wir spielen zwar solistisch, jedoch nicht alleine. Dabei erarbeiten eine gemeinsame Interpretation, was im großen Orchester machmal eher schwierig ist. Die Harfe selbst kommt im „Horenstein Ensemble“ natürlich viel mehr zu Geltung und ich kann den Facettenreichtum meines Instrumentes zeigen. Viele Kammermusikwerke stammen aus dem Impressionismus, als viel für die Harfe komponiert wurde. Ich bin sehr dankbar, Kollegen gefunden zu haben, die nicht nur Streichquartette oder Klaviertrios spielen wollen, sondern auch die liebe, einsame Harfe (lacht) dazu nehmen und sagen: „Komm Mädchen, wir machen etwas zusammen!“

Du bist ja bereits seit 2007 Mitglied des Konzerthausorchesters, hast du ein Konzert an das du dich besonders gern erinnerst?

Wir haben vor einigen Jahren mit Iván Fischer Mahlers dritte Sinfonie gespielt. Das war die einzige seiner Sinfonien, die ich noch nie gespielt hatte. Als dann in der Probe der Chor einsetzte, wurde mir bewusst, wie schön dieses Stück ist und ich hatte sofort Tränen in den Augen. Solche Momente behält man wirklich lange in Erinnerung.

Eine letzte Frage: Was machst du in den letzten 10 Minuten vor Konzertbeginn?

Stimmen! Alle 47 Saiten der Harfe müssen vor jeder Probe und jedem Konzert noch einmal gestimmt werden. Das kann ich am besten alleine in den 15 Minuten bevor es losgeht – dann habe ich die nötige Ruhe auf der Bühne und kann sichergehen, dass alles in Ordnung ist.

Vielleicht achtet Ihr in eurem nächsten Konzert ja genauer auf die kleinen und großen Harfensoli zum Beispiel am 15. und 16. Juni mit dem Konzerthausorchester!

von Luisa Aha

Fotocredit: Markus Werner (Horenstein Ensemble), Uwe Ahrens (Titelfoto, Horenstein Ensemble), Luisa Aha (Harfe Details)