Festival Baltikum

Mit der Orgel durchs Baltikum

Im grauen Februar träumt so mancher schon sehnsüchtig vom Sommerurlaub an der Küste. Man steht in einer lauen Nacht am Strand, fühlt die leichte Brise auf der Haut und lauscht dem sanften Rauschen der Wellen…In genau eine solche Sommernacht möchte Iveta Apkalna das Publikum mit ihrer Orgel entführen, und das mitten im Februar beim Festival Baltikum – in einer Baltischen Orgelnacht im Großen Saal!

Wir haben mit der jungen Organistin gesprochen.

Eine Baltische Orgelnacht – welche Idee steckt dahinter?

Ich erzähle mit meiner Musik eine Geschichte, die mit Wasser beginnt und auch mit Wasser endet. In jedem Stück hört man das Rauschen der Wellen, sieht den Horizont und das wunderschöne Blau des Meeres. Alle, die schon einmal in Lettland gewesen sind, aber vor allem auch diejenigen, die noch nie im Baltikum waren, sollen sofort die einzigartige Atmosphäre spüren. Ich möchte, dass sie auch jetzt im Februar schon in das Licht der baltischen Mittsommernacht eintauchen können.

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Das passt natürlich bestens zu den Lichtinstallationen, die es ja auch geben wird.

Ja, auf jeden Fall! Man sollte bei meinem Programm die Musik definitiv nicht nur hören, sondern auch sehen können. Viele Menschen können Musik ja auch ohne Zusatzeffekte sehen, aber ich glaube, in diesem Fall wird die Lichtinstallation schon helfen. Vor allem, weil man dadurch auch einfach etwas entspannter die Musik genießen kann. Das Publikum wird ja in Liegestühlen sitzen, das finde ich eine tolle Idee!

Die Orgel ist ja nicht gerade ein typisches Instrument für junge Musiker. Was ist für dich das Besondere daran?

Für mich ist die Orgel wie meine Seele. Die Orgel ist nichts Mechanisches, sondern lebendig. Sie kann und sollte singen, das ist für mich viel wichtiger als technische Perfektion. Sie spricht gleichsam mit ihren Pfeifen und jede Pfeife hat eine eigene Stimme. Deshalb sehe ich die Orgel als ein ganzes Orchester mit vielen verschiedenen Stimmen und Farben, oder als Chor. Der Organist muss sein Instrument zum Singen bringen. Mein vorletztes Stück „Ave Maria“ von Maija Einfelde wurde ursprünglich für einen Frauenchor geschrieben und ich möchte diesen lettischen Chorklang mit der Orgel hörbar machen. Die Orgel im Konzerthaus ist dafür ideal!

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Was macht für dich den typischen Klang des Baltikums aus?

Der Klang des Baltikums ist sehr tonal, ruhig und harmonisch. Ich habe Meeresrauschen im Ohr und Vogelgesang. Wenn ich nicht zuhause bin, denke ich oft, dass irgendetwas anders ist und erst nach längerer Zeit merke ich, dass die Vögel in Lettland einfach schöner singen. Typisch baltisch ist auch der melancholische, zurückhaltende Klang. Wir können zwar auch lustig sein und lange feiern, zum Beispiel beim Mittsommernachtsfest oder den großen Liederfesten, aber die Lieder sind dann oft in Moll, langsam und getragen. Das hat mit der tragischen Geschichte unserer Länder zu tun, die lange fremdbestimmt wurden. Deshalb ist dieses Festival, das ja die Unabhängigkeitserklärungen der baltischen Länder vor 100 Jahren feiert, etwas ganz Besonderes.

Reist mit Iveta Apkalna in ihrem Konzert am 17. Februar  einmal quer durchs Baltikum – wann kann man schon mal ein ganzes Konzert im Liegestuhl genießen?

von Pia Starke und Luisa Aha

Fotos: Unsplash