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7 Fakten über Holzblasinstrumente

1. Wo ist das Holz?

Wieso heißen Holzblasinstrumente eigentlich Holzblasinstrumente? An Klarinette, Oboe und Fagott findet sich auf den ersten Blick ziemlich viel Metall und das Saxophon ist gar komplett aus Messing. Jedoch, nicht auf Korpus oder Klappen kommt es an, sondern auf‘s Mundstück. Das einfache Rohrblatt von Klarinette und Saxophon sowie das Doppelrohrblatt von Oboe und Fagott wird aus Schilfrohr gefertigt, also aus Holz. Es schwingt, wenn es angeblasen wird und gibt den Instrumenten ihren charakteristischen Klang. Und wie passt die moderne Querflöte in diese Runde? Ihre historische Vorgängerin, die Traversflöte aus dem 18. Jahrhundert war aus Holz! Ihre kleine Schwester, die Piccoloflöte, ist es üblicherweise bis heute.

2. Steinalte Knochenflöten und antike Rohrbläser

Bereits unsere steinzeitlichen Vorfahren haben geflötet. Eine über 40.000 Jahre alte Knochenflöte wurde in einer Höhle auf der Schwäbischen Alb gefunden. Im Altertum kannte man bereits Doppelrohrblattinstrumente und erzählte sich Mythen, in denen die Musizierkunst offenbar sehr ernst genommen wurde: Der Satyr Marsyas spielte die Aulos und wagte es, den strahlenden Apoll zum musikalischen Wettbewerb herauszufordern. Der Gott mit der Leier war leider kein großzügiger Sieger, sondern zog dem Unterlegenen die Haut ab!

3. Oboistischer Weltrekord

Jack Cozen Harel hält laut Guinness-Buch den Weltrekord für das „Schnellste Oboenspiel“: Alle 409 Noten von Rimsky-Korsakows „Hummelflug“ in 26,1 Sekunden!

 

4. Tiefer, höher …

Querflöte, Oboe, Klarinette und Fagott sind die üblichen Verdächtigen an den Holzbläserpulten eines Sinfonieorchesters. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man allerdings, dass sie diverse höhere und tiefere Verwandte haben. Deren Tonumfang reicht von der winzigen Piccoloflöte, die zum fünfgestrichenen c klettert, bis zum aus gewundenen Holzröhren bestehenden Kontrafagott – tiefer spielt keiner im Sinfonieorchester. Die speziellen Klangfarben dieser sogenannten „Nebeninstrumente“ haben Komponisten außerordentlich effektvoll genutzt – Antonín Dvořák zum Beispiel das Englischhorn, den tieferen Vertreter der Oboenfamilie, im Largo seiner Sinfonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“.

 5. … und ausgesprochen selten

Sehr rar macht sich das Heckelphon. Besondere Kennzeichen: Überdimensionale Oboe aus mahagonifarbenem Holz mit kugelrundem Schallbecher. Geburtsjahr: 1904 Sichtungen: Fast nur in Opern und der „Alpensinfonie“ von Richard Strauss, der sich ebenso wie Richard Wagner für den Bau einer Oboe in Baritonlage eingesetzt hatte. Und in Paul Hindemiths Opus 47, einem Trio für Heckelphon, Bratsche und Klavier. Status: Der Nerd unter den Holzblasinstrumenten.

  Photographed in august 2005 by Mezzofortist

6. Saxophon oder nicht?

Wer Saxophon lernt, ist Klarinettisten gegenüber klar im Vorteil, obwohl beide Instrumente eng verwandt sind: Will man einen Ton in einer höheren Oktave spielen, nimmt man beim Saxophon (und übrigens auch bei der Querflöte) einfach eine Oktavklappe hinzu – der eigentliche Griff bleibt. Auf der Klarinette muss man sich dagegen einen neuen Griff draufschaffen, wenn man einen Ton oktavieren will. Also unbedingt Saxophon lernen? Vielleicht doch nicht, falls man gerne in einem Sinfonieorchester spielen möchte. Denn dort ist das in den 1840er Jahren entwickelte Instrument ein seltener Gast. Bekannt ist zum Beispiel sein melancholisches Solo im Satz „Das alte Schloss“ von  Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“.

 7. Ein Vorspiel zur Nachmittagshitze

Claude Debussy schrieb „Prélude à l’après-midi d’un faune“ basierend auf einem Gedicht von Stéphane Mallarmé und schaffte damit seinen künstlerischen Durchbruch. Es ist eines der schönsten Flöten-Soli der Musikgeschichte, hier gespielt von unserem Solo-Flötisten Yubeen Kim!

Wenn Ihr das Solo auch so wundervoll findet: Bei uns hört Ihr das gesamte Werk am 18. und 19.05. mit dem Konzerthausorchester und Louis Langrée.

 

Von Laura Wejda, Annette Zerpner, Luisa Aha

Fotocredit: Marco Borggreve (Titelbild und Orchesterfotos), Wikimedia Commons User Mezzofortist (Heckelphone)