Allgemein, Brahms-Marathon

„Leider nicht von mir“

„Leider nicht von mir“ – was zunächst vor allem reumütig und fast melancholisch klingt, ist eigentlich die Pointe einer legendären Begebenheit aus Johannes Brahms‘ Leben. Er war bekanntermaßen ein großer Walzerliebhaber und signierte eines Tages einen Auszug des Donauwalzers von Johannes Strauß mit: „Leider nicht von Johannes Brahms.“ Angeblich auf den Autographenfächer dessen Stieftochter Alice.

Beim Brahms-Marathon am 22. April erzählen der Pianist Sebastian Knauer und der Schauspieler Max Hopp diese und andere Geschichten aus Brahms‘ bewegtem Leben. In einer musikalischen Szene entsteht dabei ein Gespräch zwischen dem jungen und dem alten Brahms – beide gespielt von Max Hopp. Basierend auf Briefen betrachtet der Text verschiedenste Stationen seines nicht immer einfachen Komponistenlebens. Aber keine Sorge, Euch erwartet natürlich kein historischer Rundgang oder langweiliger Vortrag. Vielmehr steht Brahms als Mensch im Mittelpunkt, seine Gefühle und sein Umgang mit all den Herausforderungen. Musikalisch wird das Ganze untermalt vom Konzerthaus Quartett.

Ein bewegtes Leben

Brahms stammte aus ärmlichen Verhältnissen, fand sich selbst als Komponist nie gut genug und liebte eine unerreichbare Frau. Da liegen Enttäuschung, Reue und Unzufriedenheit nah beieinander. Deshalb hört man auch in vielen seiner Kompositionen ein gewisses Maß an Melancholie, wie zum Beispiel…. Auch in seinen Briefen schreibt immer wieder darüber, was in seinem Leben alles nicht geklappt hat. Allerdings nie wirklich wehleidig und immer mit einem Augenzwinkern.

brahms-ironie

Denn Brahms war vor allem auch Hanseat, und der so klischeehafte wie typische trockene Humor eine seiner größten Qualitäten. Wolfgang Berthold, der den Text für „Leider nicht von mir“ montiert hat, sagt:

„Es ist erstaunlich lebendig, erstaunlich zugänglich und erstaunlich ironisch, wie Brahms schreibt.“

Ein uneitler Gönner

Womit wir wieder beim Titelzitat angelangt wären: Brahms schätzte Strauß‘ „An der schönen blauen Donau“ so sehr, dass er das Werk am liebsten als sein eigenes signiert hätte. Leider jedoch, musste der ironische Kommentar ausreichen. Für Wolfgang Berthold spricht das vor allem für Brahms als Mensch: „Von den ganzen Komponisten aus dem 19. Jahrhundert ist er wahrscheinlich einer der wenigen, die wirklich sympathisch waren.“ Denn er gönnte seinen Kollegen ihre Erfolge und bewunderte sie auch für Kompositionen, die andere als Unterhaltungsmusik abgetan hätten – wie den Klassiker des Walzerkönigs. Denn Brahms mag zwar ein seltsamer Kauz mit hoher Stimme und Rauschebart gewesen sein, aber er war nicht eitel:

„Und im Grunde begreife ich nicht, wie unsereiner eitel sein kann. Wie wir Menschen, die auf der Erde aufrecht gehen, zu den Geschöpfen, die unter der Erde kriechen, so stehen unsere Götter über uns. Wenn es mir nicht so lächerlich wäre, würde es mir ekelhaft sein, mich von Kollegen ins Gesicht hinein so überschwänglich loben zu hören.“

Vielleicht ist das etwas, das wir alle noch von Brahms lernen können: uns selbst einfach nicht so wichtig zu nehmen. Wenn Ihr jetzt Lust bekommen habt, am 22. April bei unserem Brahms-Marathon den sympathischen Kauz noch ein bisschen besser kennenzulernen: wir freuen uns auf Euch bei „Leider nicht von mir“ um 13.30 Uhr und 15.45 Uhr.

ÜBER DAS STÜCK

„Leider nicht von mir“ basiert auf dem Entwurf des leider kürzlich verstorbenen Redakteurs, Moderators und Schriftstellers Wolfgang Knauer. Der für seine satirische Schreibe bekannte Musikliebhaber hatte das Stück für die gemeinsame Interpretation mit seinem Sohn Sebastian Knauer konzipiert. Wolfgang Berthold hat das Werk nun mit Sebastian Knauer und Max Hopp erarbeitet und vollendet. Das Ergebnis sehen wir am 22. April!

 

von Luisa Aha

 

Fotocredit Titel: Wikimedia Commons