Allgemein, Konzerthausorchester

Endlich mal den Koffer auspacken

Suyoen_Kim_Konzertmeisterin

Es war ihre Premiere als Konzertmeisterin: Als Suyoen Kim im März 2017 zum ersten Mal für ein Projekt mit dem Konzerthausorchester auf der Bühne saß, spielte sie unter Jukka-Pekka Saraste die 8. Sinfonie von Schostakowitsch. Zuvor hatte sie fast ausschließlich solistisch gearbeitet, seit Januar 2018 ist sie bei uns 1. Konzertmeisterin. Wie spannend sie ihre neue Rolle findet und vor welchen Herausforderungen sie dabei steht, hat sie uns im Interview erzählt.

Du bist seit Ende deines Studiums hauptsächlich solistisch aufgetreten. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Konzerthausorchester?

Ich hatte mir schon öfter überlegt, selbst im Orchester zu spielen. Als dann der Anruf vom Konzerthaus kam, war das natürlich die perfekte Chance. Von Beginn an hatte ich ein gutes Gefühl mit dem Orchester und mochte die Arbeitsatmosphäre. Als dann auch noch das Probespiel so glatt lief, war ich überzeugt, dass das Konzerthausorchester und ich gut zusammenpassen. Deshalb bin ich wirklich sehr froh, seit Januar hier zu sein.

Dass die Chemie zwischen Suyoen und dem Konzerthausorchester stimmt, merkte man auch beim begeisterten Schlussapplaus am 9. März nach ihrem wunderbaren „Scheherazade“-Solo!

Was sind für dich die größten Unterschiede zwischen deiner Arbeit als Solistin und dem Job als Konzertmeisterin?

Ich habe schon immer viel mit den anderen Musikern kommuniziert, durch gegenseitiges Zu- und Miteinanderhören. Das ist für mich Musizieren. Zudem war ich immer schon sehr empfindsam, was meine Mitspieler angeht und habe viel auf sie reagiert. Als Konzertmeisterin muss man natürlich auch führen können, denn man stellt die Verbindung zwischen Orchester und Dirigent her. Dadurch ist man nicht mehr so frei in seinen Entscheidungen, wie man etwas gestalten möchte. Von Woche zu Woche bereite ich mich auf ein neues Programm vor und mache mir meistens schon ein eigenes Bild von der Musik. In den Proben stelle ich dann allerdings manchmal fest, dass die Idee des Dirigenten eine andere ist.

Spielst du seitdem auch anders?

Ja, ich muss jetzt viele Dinge anders spielen. Es gibt Unterschiede, zum Beispiel ob du alleine Pianissimo spielst, oder gemeinsam mit zehn anderen Musikern. Ich habe auch in meinem Leben noch nie so viel Tremolo gespielt, wie jetzt! Dann spiele ich jetzt auch häufig sehr hoch, die tiefen Töne liegen bei den Anderen. Auch technisch ist vieles anders, aber das macht es eben so spannend. Ich lerne durch das neue Repertoire auch die Komponisten noch einmal ganz neu kennen und kann mir ganz andere Stücke erarbeiten.

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Gibt es denn ein Stück, auf das du dich schon besonders freust?

Ich habe kein Lieblingsstück, aber es gibt immer Werke, zu denen ich eine besondere Beziehung habe. Zu denen gehört zum Beispiel das Requiem von Verdi. Dieses Stück verzaubert mich jedes Mal aufs Neue, deshalb habe mich riesig gefreut, als ich erfahren habe, dass wir das Werk bei der Saisoneröffnung 2018/19 spielen werden. Ein solches Stück zu spielen, ist für mich immer etwas Besonderes.

Wenn du nicht gerade Musik machst oder als Zuhörerin im Konzert bist, wo verbringst du die meiste Zeit?

Ich bin sehr gern zuhause. Seit ich vor fünf Jahren nach Berlin gezogen bin, wohne ich im Prenzlauer Berg und fühle mich in meinem Kiez sehr wohl. Es ist eine wunderschöne Ecke rund um den Helmholtzplatz, die Kastanienallee und den Kollwitzplatz… Sonst kenne ich mich in Berlin nicht so gut aus, weil ich die letzten Jahre immer so viel unterwegs war. Heute bin ich einfach froh, wenn ich meinen Koffer endlich mal auspacken, zuhause sein und kochen oder lecker Essen gehen kann. Es war natürlich auch schön, so viel zu reisen, aber als Konzertmeisterin habe ich jetzt endlich einen Rhythmus in meinem Alltag, das genieße ich sehr.

 

Wenn ihr mehr von Suyoens Kochkünsten und ihrem Alltag als Konzertmeisterin sehen wollt, schaut doch mal auf ihrem Instagram Kanal vorbei: @suyoen__kim!

BIOGRAFIE

Suyoen Kim wurde 1987 in Münster geboren und erhielt mit fünf Jahren Geigenunterricht bei Houssam Mayas. Mit neun wechselte sie als jüngste Jungstudentin Deutschlands zu Prof. Helge Slaatto an die Musikhochschule Münster und setzte dort das Studium bis zum Diplom im Juni 2008 fort. 2010 und 2012 absolvierte sie ein Aufbaustudium bei Prof. Ana Chumachenco an der Hochschule für Musik und Theater München und im Rahmen der Further Masters Studies an der Kronberg Academy. Solistisch arbeitete Suyoen Kim mit renommierten Dirigenten wie Kurt Masur, Eliahu Inbal, Myung-Whun Chung, Steven Sloane, Jan Latham-Koenig, Peter Ruzicka oder Walter Weller zusammen. Meisterkurse absolvierte sie bei Rainer Kussmaul, Ida Haendel und Ana Chumachenco und im Rahmen der Further Masters Studies an der Kronberg Academy. Sie spielte als Solistin bereits mit der Kammerphilharmonie Bremen, den Münchner Symphonikern und dem Seoul Symphony Orchestra und gab Konzerte in Südamerika, Asien und Europa. Suyoen Kim spielt die „Lord Newlands“ Stradivari aus dem Jahre 1702, die ihr freundlicherweise von der Nippon Music Foundation zur Verfügung gestellt wird.

 

von Luisa Aha

Credits: Radek Wegrzyn/Till Vielrose (Titelbild), Norbert Möller (Video), Suyoen Kim (Instagram)


 

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