Allgemein

Schinkel re-composed!

Das Konzerthaus: Ein Gebäude mit einer bewegten Geschichte. Es gilt als eines der schönsten Werke des preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel. In den letzten Kriegstagen 1945 wurde es vollständig zerstört, als Ruine blieb es mitten in Berlin stehen. Erst 1979 begann der Wiederaufbau und Umbau vom ursprünglichen Schauspielhaus zum heutigen Konzerthaus.

Doch wie wurde das Schauspielhaus zum Konzerthaus und welche Veränderungen fanden statt? Wir haben einen Blick zurück geworfen.

 

Ruine ©Konzerthaus Berlin Archiv

 

Dass aus der Ruine in Berlin Mitte 1976 ein Konzerthaus werden sollte, war unumstritten. Denn Ostberlin, damals die Hauptstadt der DDR, besaß bereits viele Theater, aber keinen repräsentativen Konzertsaal, wie die Philharmonie in West-Berlin. Schnell war entschieden, dass der Umbau stattfinden würde. Die einzige offene Frage war: Wie soll die Inneneinrichtung gestaltet werden?

Debatte um die Innengestaltung                   

Die beauftragten Architekten Ehrhardt Gißke, Klaus Just und Manfred Prasser hatten keine leichte Aufgabe. Denn nach der DDR-Führung sollte das Konzerthaus wie die Frankfurter Oper aussehen: außen alt, innen modern. Prassers Idee, sich bei der Innengestaltung wieder an der klassizistischen Ausstattungskunst Schinkels zu orientieren, schien nicht interessant. Entrüstet richtete sich der Architekt deshalb an Kulturminister Hans-Joachim Hoffmann. In der entscheidenden Sitzung hielt er schließlich eine Rede, welche letzten Endes das Blatt wendete:

»Wenn meine DDR nicht einmal den Arsch in der Hose hat, was Eigenes zu machen und nicht immer nachäfft, was andere machen, da könnt ihr euren Dreck alleine machen. « erinnert sich Manfred Prasser an seine Worte.

Alles kopiert? 

Rund 90 Bau- und Spezialfirmen arbeiteten in den folgenden Jahren daran, das Gebäude wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen. Beim Wiederaufbau ab 1979 blieben nur die Außenmauern, das Dach und die Längswände des alten Theatersaals bestehen. Schließlich konnte der Schinkel‘sche Theaterbau durch seine ursprüngliche Funktion kaum als Grunlage für ein Konzerthaus dienen. Die Architekten orientierten sich deswegen an anderen Bauten Schinkels, wie dem einstigen kleineren Konzertsaal des Schauspielhauses für den heutigen Großen Saal und Schloss Charlottenhof in Sanssouci für den Kleinen Saal.

Wer jedoch denkt, es wurde alles einfach von anderen Gebäuden Schinkels kopiert, liegt falsch. Beim Innenleben handelt es sich um eine komplette Neuschöpfung, für die die inneren Räumlichkeiten in Architektur und Aufteilung komplett neu konzipiert wurden.

Wiederbelebung Schinkels

Viele Elemente der Dekoration entstammen dem Klassizimus. Die Dekorateure nutzten dazu die Formen und Arbeitsmethoden aus der Schinkel- Zeit. Die Säulen nach antikem Vorbild, der plastische Dekor, gefertigt aus Gips und Stuck, oder die Malereien und Statuen, die an antike Mythen erinnen, ließen den Charakter des Originals wieder aufleben. Kein Wunder, dass man den Unterschied auf den ersten Blick gar nicht bemerkt!

Die Architekten haben mit viel Leidenschaft und Liebe zum Detail eine neue Kulturstätte geschaffen, die immer noch das Leitmotiv des ehemaligen Baumeisters in sich trägt. Oder wie Architekt Manfred Prasser, der vor kurzem verstorben ist, erklärte:

„ Genauso wie Schinkel, der in Pompeji und in Griechenland geklaut hat […] wurde das Geklaute auch [hier] umgesetzt“

Am 1. Oktober 1984 wurde das Schauspielhaus als Konzerthaus mit einem Konzert des Berliner Sinfonie-Orchesters unter seinem Ehrendirigenten Kurt Sanderling und dem Chefdirigenten Claus Peter Flor feierlich eingeweiht.

Wollt ihr noch mehr über die Architektur des Konzerthauses erfahren? Dann schaut doch bei unseren täglichen Führungen durch das Konzerthaus vorbei, oder werft einen Blick auf unsere DVD „Schinkel neu komponiert: Vom Schauspielhaus zum Konzerthaus“!

 

Von Laura Wejda und Luisa Aha


 

Kommentar Verfassen