Allgemein, Konzerthausorchester

Winzige Geigen und dabbende Schlagzeuger

Von Wutausbrüchen beim Geigenunterricht und ihren eigenen Ska-Bands haben uns sechs der elf neuen Akademisten des Konzerthausorchesters im ersten Teil unseres Beitrages bereits erzählt. Nun stellen wir mit Lina-Marie Däunert, Hsiang-Hsiang Tsai, Chungyoon Choe, Chloé Dufossez und Richard Putz die übrigen fünf Akademisten vor. Sie haben für uns geflötet, gebratscht, gegeigt und gedabbt.

Lina-Marie Däunert, Viola

Seit ihre Eltern ihr eine winzige Geige in die Hand drückten, fürs Familienalbum, war es um Lina-Marie Däunert geschehen. Heute, das Instrument ist etwas größer geworden, studiert die Berlinerin Bratsche an der Hochschule für Musik Hanns Eisler und verstärkt als Akademistin die Violen des Konzerthausorchesters. Die Bühne des Großen Saals ist ihr dabei nicht unbekannt: Dvořáks Neunte, eines ihrer absoluten Lieblingsstücke, hat sie hier schon mit einem Jugendorchester gespielt. Auch wenn ihr der musikalische Alltag wenig Freizeit lässt, sagt Lina-Marie es gerne frei nach Loriot: „Ohne Musik wäre das Leben möglich, aber sinnlos.“

 

Hsiang-Hsiang Tsai, Viola

Auch Hsiang-Hsiang Tsai, Akademistin an der Viola, kann sich ein Leben ohne Musik kaum mehr vorstellen: „Musik ist mein Leben!“ Im Alter von sieben Jahren hat sie zunächst mit Klavier begonnen, bevor sie dann mit neun auf Bratsche umgestiegen ist. Und die studiert sie mittlerweile an der Stuttgarter Musikhochschule. Der Wechsel von der Schwaben-Metropole in die Hauptstadt fiel ihr aber nicht schwer: „Berlin ist für mich schon zu einem zweiten Zuhause geworden.“ Das hat sich auch gelohnt, denn ihr Debüt mit dem Konzerthausorchester – Mahlers Fünfte mit Iván Fischer – zählt sie schon jetzt zu ihren schönsten Konzerterfahrungen.

Chungyoon Choe, Violine

Auch die Südkoreanerin Chungyoon Choe hat als Multiinstrumentalistin gestartet: zuerst Klavier mit vier, dann Geige ein Jahr später. Keine unübliche Kombination in Südkorea, wie uns auch Yomoon Youn letztes Mal schon erzählt hat. Und auch Choes Lieblingskomponisten passen bestens zusammen: Hector Berlioz, quasi der Erfinder der Programmmusik, und Richard Strauss, den seine zahlreichen Tondichtungen berühmt gemacht haben. Ihr schönstes Konzerterlebnis hatte Choe allerdings mit Mahlers mächtiger Dritter, vor zwei Jahren gespielt vom Konzerthausorchester und dirigiert von Iván Fischer.

Chloé Dufossez, Flöte

Aus Clermont-Ferrand in Frankreich kam Flötistin Chloé Dufossez vor einem Jahr nach München – zum Flötenstudium an der dortigen Musikhochschule. Ihre ersten Orchestererfahrungen kann sie seit zwei Jahren im reommierten Gustav Mahler Jugendorchester sammeln. Jetzt, mit gerade einmal zwanzig Jahren, kommt Chloé als Adademistin ans Konzerthaus. Und weil man Claude Debussys berühmten Flöten-Klassiker „Syrinx“, den Chloé uns vorgeflötet hat, hier leider nicht hören kann, sei die Aufnahme von Jean-Pierre Rampal empfohlen.

 

Richard Putz, Schlagzeug

Wer kennt das nicht: „Berlin ist für mich vor allem eine Stadt mit holprigen Radwegen“, findet Richard Putz, Schlagzeug-Akademist im Konzerthausorchester. Gar nicht holprig klingt es, wenn Richard am Marimbaphon steht. Von allen Schlaginstrumenten hat es ihm das nämlich am meisten angetan. Musikalisch bewegt sich Richard auch gerne mal „outside the box“: „Mich berührt Musik von Künstlern, die Genre-Grenzen sprengen oder verbinden.“ Seine eigene musikalische Sprache findet Richard dabei vor allem als DJ im Bereich der elektronischen Musik. Aber was macht Richard, wenn er nicht im Konzerthaus oder an den Decks steht? Richtig: „Nichts entspannt mich mehr, als nach sechs Stunden Üben das Gemüse julienne zu schneiden!“ Was Richard da an der Snare vorführt, nennt sich übrigens Dabbing und hat mit dem Schlagzeug eigentlich nichts zu tun, aber Richard findet das halt cool!

 

von Rudi Schmid


 

Kommentar Verfassen