Allgemein, Hommage an Slawa Rostropowitsch

Inspired by Slawa Rostropowitsch

Prokofjew, Schostakowitsch, Chatschaturjan (zu dritt vereint auf dem schönen Bild oben), aber auch, Schnittke, Dutilleux und Pärt… Die Liste der Komponisten, die Stücke für Slawa Rostropowitsch geschrieben haben, liest sich wie eine Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Alle Wichtigen sind dabei. Die Liste ist endlos lang, über 200 Werke umfasst sie. Wenn man weiß, was für ein Mensch Slawa war, wundert einen das nicht: gesellig, umtriebig und einnehmend, aber auch radikal und fordernd.

„Pro et contra war kein Auftrag, sondern ein ‚Befehl‘ von Rostropowitsch. Ich lag gerade mit hohem Fieber im Bett, als es an unserer Tür klingelte. Er ließ sich von meiner Frau nicht abweisen, stürmte in mein Zimmer und redete auf mich ein. Er wollte ein Cellokonzert von mir“, erinnert sich Komponist Arvo Pärt in unserer Festschrift. Und so entstand dann schließlich „Pro et contra“, eines der kürzesten, aber zugleich wichtigsten Cellokonzerte des 20. Jahrhunderts. Denn die knappen zehn Minuten haben es in sich. Pärt wendet in dem Konzert seine typische Collagentechnik an: Die beiden schroff atonalen und streng durchrhythmisierten Ecksätze werden mehrmals von Choralklängen durchdrungen, die weniger an Neue als an die Alte Musik eines Johann Sebastian Bach erinnern. Pro und contra eben.

Das war 1966. Drei Jahre zuvor, 1963, ist dieses Juwel entstanden: Komponist Aram Chatschaturjan selbst am Pult und Widmungsträger Slawa am Cello. Sie spielen zusammen die Konzert-Rhapsodie für Cello und Orchester, die der armenische Komponist extra für Rostropowitsch geschrieben hat.

Aus alt mach neu, könnte das Motto für Sergej Prokofjews Sinfonia concertante für Cello und Orchester lauten. Das Stück basiert nämlich auf einem früheren Cellokonzert des Komponisten. Nachdem Slawa es in Anwesenheit von Prokofjew gespielt hatte, schlug er ihm eine neue Version des Werkes vor. Mit seinen damals gerade einmal 20 Jahren muss Rostropowitsch schon so charmant und überzeugend gewesen sein, dass Prokofjew begann, an der Sinfonia concertante zu arbeiten. Und siehe da! Das dreisätzige Cello-Glanzstück ist inzwischen viel bekannter als das ursprüngliche Cellokonzert. Truls Mørk spielt es mit dem Konzerthausorchester unter Juraj Valčuha zum Abschluss der Hommage am 16., 17. und 18. November.

Prokofjews Virtuosenstück soll sieben Jahre später, also 1959, Dmitri Schostakowitsch den entscheidenden Impuls für sein erstes eigenes Slawa-Werk gegeben haben: das 1. Cellokonzert. Nicht länger als drei Tage benötigte Slawa, das Konzert einzuüben und auswendig zu lernen. Denn Rostropowitsch war bekannt für seine kurzen Nächte: wenig Schlaf, viel Party und vor allem viel Musik. So wie Schostakowitsch dem Konzert seine ganz persönliche Note gab, indem er den ersten Satz mit seinen Initialen in Notenform (D-Es-C-H, ähnlich wie schon B-A-C-H) beginnen ließ, wollte auch Rostropowitsch ein Wörtchen mitreden. Er soll eines Tages mit einem Änderungsvorschlag zum Komponisten gekommen sein, der sich auf den Deal aber nicht einlassen wollte: „Wenn ich diese Stelle ändere, bist du der einzige, der dieses Konzert spielen kann. Ich komponiere aber für alle!“

Auch Leonard „Lenny“ Bernstein hat für Slawa komponiert. Und zwar das einzigartige Revue-Stück „Slava! A Political Overture“. Mit quietschenden Trompeten, rasselndem Schlagwerk und frechen Melodien. Nicht umsonst – und außerdem passend zum Widmungsträger – lautet die Satzbezeichnung: „Fast and flamboyant“! Und ebenso schnell und überhitzt muss die Ouvertüre auch entstanden sein. Denn Bernstein stellte sie – natürlich im Auftrag von Rostropowitsch – in letzter Minute noch am Tag vor der Uraufführung fertig. Ein besonderes Gimmick wartet ganz am Ende des Stückes, hier vom Komponisten höchstpersönlich dirigiert:

Mit Bernsteins Party-Ouvertüre eröffnet das Konzerthausorchester mit Iván Fischer am 10. November übrigens die Hommage an Slawa.

 

von Rudi Schmid


 

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