Allgemein, Hommage an Slawa Rostropowitsch

Guten Morgen, Herr Rostropowitsch!

Fast so lang wie das Verzeichnis der von Rostropowitsch inspirierten und ihm zugeeigneten Kompositionen ist die Klassenliste seiner berühmten Schüler. Volle 26 Jahre, von 1948 bis 1974, unterrichtete Rostropowitsch Cello am renommierten Moskauer Konservatorium. Seine Klasse mit der Nummer 19 hat große Namen hervorgebracht: Jacqueline du Pré, David Geringas, Natalia Gutman, Karine Georgian und Mischa Maisky, um nur wenige von ihnen zu nennen. Eine ganz besondere Rarität stammt von Letzterem, dem lettischen Cellisten Mischa Maisky. Der hatte nämlich beim gemeinsamen Unterricht mit Natalia Gutman und Karine Georgian gerne sein Tonbandgerät mit dabei und konnte uns so ein einzigartiges Zeugnis vom Lehrer Rostropowitsch zur Verfügung stellen. Zwei weitere ehemalige Schüler, Elizabeth Wilson und Raimo Sariola, haben diese Aufnahmen nun neu zusammengestellt sowie mit Bildern und Untertiteln versehen.

Lassen wir also Maiskys Aufnahmen und einige Slawa-Schüler selbst über den Unterricht bei Meister Rostropowitsch sprechen. Als erstes ist ein Ausschnitt aus Schumanns Cellokonzert zu hören, Beginn erster Satz. Karine Georgian am Cello. Klavier, Kommentar und Gesang: Mstislaw Rostropowitsch.

„Von Rostropowitsch unterrichtet zu werden, bedeutete, niemals sicher sein zu können, was als nächstes kam. Unterrichtsstunden waren eine Achterbahnfahrt aus Albtraum, Anregung, Herausforderung, Inspiration.“ So bringt es Karine Georgian auf den Punkt. Für den temperamentvollen und rebellischen Slawa seien Regeln eigentlich nur zum Brechen da gewesen: „Brechen aber musste man Regeln, sobald sie keinem anderen Zweck dienten, als Ambitionen und Ideen zu behindern.“ Und schließlich gab Rostropowitsch ihr – fast schon drohend – noch Folgendes mit auf den Weg: „Merke dir eines – wenn ich einmal nicht mehr bin, werde ich von da oben auf dich herunterschauen. Also denke auf jeden Fall an das, was ich dir sage.“

Und das glaubt man auch gern, wenn man Rostropowitschs strenge und akribische Kommentare im Unterricht hört. Doch nicht zuletzt deshalb sind Slawas Schüler auch heute noch so erfolgreich. Wie zum Beispiel Natalia Gutman, deren Bogen das nächste Tonbeispiel entsprungen ist, der erste Satz von Rachmaninows Cellosonate:

„Ey, Alter!“ haben wir nicht am Kottbusser Tor aufgeschnappt, sondern das war Slawas übliche Anrede für seinen Schüler David Geringas. Der findet sehr poetische Worte für Rostropowitschs Persönlichkeit und dessen Unterricht, poetischer jedenfalls als Slawas Anrede-Floskel: „Er hat uns beschenkt, er hat uns gefordert, er hat uns überrollt und dabei mitgerissen – Mstislaw Leopoldowitsch Rostropowitsch war eine lebende Lawine, ein Übermaß an Geist, Phantasie und Kraft. Er war eine Galaxis. Sein Unterrichtsfach hieß ‚Die ganze Welt‘, die Welt der Musik, der Menschlichkeit, des Empfindens, des Verstandes und der Verständigung.“

Auch unser Chefdirigent Iván Fischer, von Haus aus Cellist, hat einmal einen von Slawas zahlreichen Meisterkursen besucht und weiß unterhaltsame Anekdoten über dessen Unterrichtsstil zu erzählen:

 

David Geringas und Mischa Maisky spielen übrigens während der Hommage am 17.11. zu Ehren ihres Lehrers Rostropowitsch.

Elizabeth Wilson gibt in ihrem Vortrag „Der Lehrer Rostropowitsch“ noch viele weitere Einblicke, ebenfalls am 17.11.

Alle Infos zur Hommage auf einen Blick: konzerthaus.de/rostropowitsch-hommage

 

von Rudi Schmid


 

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