Allgemein, Hommage an Slawa Rostropowitsch

Encore! Encore!

Alban Gerhardt liebt Zugaben oder „Encores“. Und zwar so sehr, dass er ein ganzes Konzert, nämlich ein Late-Night-Konzert am 9.11. als Vor-Auftakt zur Hommage an „Slawa“, nur mit Zugaben füllt: „Gute Zugaben sind nicht nur virtuos, sondern auch musikalisch gehaltvoll. Im besten Falle sind sie kleine Kunstwerke, die noch einmal viel über den Künstler verraten, der sie spielt. Als Teenager habe ich Zugaben-Sammlungen rauf und runter gehört. Von den großen Pianisten, Geigern und natürlich von meinen Cello-Idolen Pablo Casals, Emanuel Feuermann, Gregor Piatigorsky und Mstislaw Rostropowitsch. Seine Interpretation von David Poppers „Elfentanz“  hatte ich lange auf Cassette in meinem Radiowecker.“

Vor einigen Jahren hat sich der Berliner Cellist, der seit kurzem mit seiner Familie in Madrid lebt, systematisch einen Überblick verschafft, was diese vier Cellisten ihrem begeisterten Publikum gern mit auf den Heimweg gaben. Neben Stücken wie dem „Elfentanz“, die sozusagen Allgemeingut sind, hatten die Herren ihre persönlichen Favoriten. Auf der CD mit Zugaben des Katalanen Casals, die Alban als erstes produziert hat, sind das Cassado und Albéniz. Dieses Jahr, zum 90. Geburtstag von Slawa, ist die Rostropowitsch-CD erschienen. Die ist durchaus russenlastig – Prokofjew, Rachmaninow, Strawinsky, daneben aber auch Popper und Debussy sowie zwei Stücke aus Slawas Feder.

Nicht immer ganz einfach war es, die Noten aufzutreiben, denn vieles hat Slawa aus dem Kopf gespielt. Ins Rostropowitsch-Archiv nach Moskau musste Alban trotzdem nicht fahren:  „Die Cellostimme von Walzer und Marsch aus Prokofjews ‚Cinderella‘ habe ich zum Beispiel von der Witwe meines Lehrers Boris Pergamentschikow bekommen. Erst haben zwei Seiten gefehlt, aber die sind glücklicherweise noch aufgetaucht. Den Klavierpart musste sich Markus Becker allerdings aus einer ziemlich alten verrauschten Aufnahme zusammenhören.“ Außerdem fand Alban heraus, dass Slawa oft virtuose, nur ganz leicht ans Cello angepasste Arrangements für Violine verwendet hat. Einiges musste er auch selbst rekonstruieren, aufgeschrieben hat er es aber nicht. „Dafür war ich schon immer zu faul,“ sagt er grinsend. Und Debussys „Minstrels“ in Bearbeitung von Robert Bergmann, wovon er uns die Noten geschickt hat? „Die sehen zwar sehr schön aus, aber spielen tue ich dann doch, was Slawa in seiner Aufnahme gespielt hat.“ Und diese Version hat er im Kopf, genauso wie damals sein Idol.

 

von Annette Zerpner


 

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